
.png)
Heute vor 25 Jahren wurde die DFB-Stiftung Egidius Braun errichtet. Seit einem Vierteljahrhundert verbindet die Stiftung Fußball mit sozialem Engagement in Deutschland und der Welt, unterstützt Integration sowie Verständigung, engagiert sich in Sport, Bildung und Jugendhilfe und fördert junges, ehrenamtliches Engagement. Mehr als 75 Millionen Euro wurden dafür bisher aufgewendet. DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der Vorsitzende des Kuratoriums, blickt im Gespräch zurück und gibt einen Ausblick auf das, was kommt.
Herr Neuendorf, 25 Jahre DFB-Stiftung Egidius Braun, was verbinden Sie mit diesem Jubiläum?
Freude über ein Vierteljahrhundert gesellschaftliches Engagement in Deutschland, Europa und der Welt - im Namen und im Sinne von Egidius Braun. Wir haben als Fußballfamilie Grund, gemeinsam darauf stolz zu sein.
Aus gesundheitlichen Gründen musste Egidius Braun am 25. April 2001 das Amt des DFB-Präsidenten niederlegen. Was verbinden Sie mit ihm? Was ist von seiner Amtszeit geblieben?
Egidius Braun war ein großer DFB-Präsident. Er wusste um die einzigartige gesellschaftliche Kraft des Fußballs, um die Bedeutung des Ehrenamts, um das unverzichtbare Zusammenspiel von Amateur- und Spitzenfußball. Er hat stets vorgelebt, was eigentlich selbstverständlich, was uns allen doch eigentlich von Natur aus gegeben sein sollte: Menschlich zu sein. Menschlichkeit zu zeigen, Menschlichkeit zu leben. Für andere, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat, sprichwörtlich da zu sein. Einander zu helfen. Egidius Braun war im positiven Sinne ein Menschenfänger. Er hat Menschen für sich eingenommen und deswegen für den Fußball und für die Gesellschaft viel erreicht. Deshalb genoss und genießt er bis heute höchsten Respekt und Anerkennung.

Wie kam es zur Errichtung der Stiftung?
Den damaligen Mandatsträgern im DFB und seinen Mitgliedsorganisationen war es ein großes Anliegen, die vielfältigen Verdienste von Egidius Braun für den Fußball in Deutschland auf besondere Weise anzuerkennen und wertzuschätzen. Einerseits wurde er durch die Delegierten des DFB-Bundestags zum Ehrenpräsidenten ernannt. Andererseits wurde der DFB-Sportförderverein e.V. in eine Stiftung bürgerlichen Rechts umgewandelt, die man Egidius Braun widmete. Damit sind sein Name und seine Ideale, die von ihm initiierten Projekte und Aktivitäten – ich denke hier insbesondere an die Mexico-Hilfe - für alle Zeit gesichert. Die Stiftung war und ist eine besondere Hommage „seines“ Verbandes für Egidius Braun.
Sie nennen den DFB-Sportförderverein – was war das für eine Organisation?
Der DFB-Sportförderverein wurde in den frühen 1990er-Jahren als eingetragener Verein gegründet. In ihm wurden unterschiedliche gesellschaftspolitische und soziale Aktivitäten aufgegriffen und ausgestaltet. Beispielsweise die regelmäßige Durchführung des Benefiz-Länderspiels, die Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthilfe zur Unterstützung von Sportlerinnen und Sportlern anderer Sportarten, die Kampagnen „Mein Freund ist Ausländer“ oder „Keine Macht den Drogen“. Ebenso setzte sich der Verein für die Mexico-Hilfe, karitative Projekte und Unterstützungen in Osteuropa sowie für die Durchführung der Fußball-Ferien-Freizeiten ein. Spätestens als die Stiftung im Juli 2001 ihre operative Arbeit aufnahm, gingen all diese Themen in der DFB-Stiftung Egidius Braun auf und der Sportförderverein wurde anschließend aufgelöst.
Wie hat sich die Stiftungsarbeit in den letzten Jahren verändert?
Es gibt - wie in vielen anderen Bereichen - eine natürliche Evolution. Das gilt selbstverständlich auch für die Stiftung. Beispielsweise mit Blick darauf, dass wir heute mehrere Treuhandstiftungen verwalten dürfen, darunter die Stiftung der Nationalmannschaft, die während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 entstanden ist. Manche Bereiche unseres Engagements sind auch weggefallen. So sind wir mit unseren Auslandsprojekten heute auf die Ukraine und Mexiko fokussiert, zuvor waren wir auch in Afrika, Brasilien und verschiedenen Ländern Osteuropas engagiert. In Deutschland haben sich die Fußball-Ferien-Freizeiten fortentwickelt und wir richten unseren Blick auf junge Menschen, die sich neben dem Spielfeld ehrenamtlich für den Fußball und unsere Gesellschaft engagieren.
Stichwort Fußball-Ferien-Freizeiten – Wie sehen Sie hier die Entwicklung?
Absolut positiv. Egidius Braun hatte früh die Idee, Fußballvereine als Dank für ihr ehrenamtliches Engagement zu den Freizeiten einzuladen. 1993 war das erstmals der Fall. Im Sommer 2017 gab es eine umfangreiche Reform. Seither sind wir an sechs Sportschulen der DFB-Landesverbände zu Gast, haben ein Team von 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Einsatz, laden 75 Fußballvereine und rund 1.000 Gäste für jeweils eine Woche ein. Insgesamt sind es 18 Programme, die sich einem spezifischen Schwerpunktthema widmen. Die Freizeiten entwickeln sich zu besonderen außerschulischen Lernorten. Letztes Jahr ging es um Werte und Demokratie, in diesem Jahr stehen Fairplay und Gewaltprävention im Fokus.
Sie erwähnen junge Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Was hat sich hier getan?
Die Vita von Egidius Braun zeigt, dass er sich selbst früh in seinem Leben ehrenamtlich engagiert hat. Zunächst im Vorstand bei seinem Heimatverein, dem SV Breinig, zudem als Schiedsrichter, später im Fußballkreis Aachen, auf Verbands- und DFB-Ebene. Daran knüpfen wir an und fördern junge Menschen, die sich im Fußball engagieren. Beispielsweise mit der Egidius-Braun-Akademie oder der sogenannten „Goal,Girl-Akademie“, die sich speziell an engagierte Frauen richtet.
Welche Auswirkungen hatten Corona, die Flüchtlingskrise und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine auf die Stiftungsarbeit?
Nahezu jedes Thema, das unsere Gesellschaft bewegt, kommt in den rund 24.000 Fußballvereinen an. Es ist unsere Aufgabe, im Rahmen unserer Möglichkeiten die engagierten Menschen vor Ort in den Vereinen zu unterstützen. Das gilt selbstverständlich auch für das Bemühen der DFB-Stiftungen.
Als beginnend im Herbst 2015 Flüchtlinge nach Deutschland kamen, wurden sie schnell in Klubs an der oft zitierten Basis aufgenommen. Wir haben gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration mit unseren Initiativen „1:0 für ein Willkommen“ und später „2:0 für ein Willkommen“ geholfen und bis Ende des Jahres 2021 mehr als 3.700 Förderanträge aus der Fußballvereins- und -verbandslandschaft bewilligt und dabei rund 2,5 Millionen Euro bereitgestellt.
Während der Corona-Pandemie gab es unterschiedliche Unterstützungsprogramme und seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben wir einerseits unser seit 2001 bestehendes karitatives Engagement für Projekte vor Ort ausgeweitet und andererseits fördern wir Fußballvereine in Deutschland, die sich zum Beispiel für vor dem Krieg geflüchtete Kinder und Jugendliche engagieren. Darüber hinaus realisieren wir Begegnungsprogramme für junge Menschen mit dem Ukrainischen Fußballverband sowie der Klitschko Foundation. Alleine im Jahr 2022 haben wir zusammen mit Partnern, beispielsweise der Dietmar Hopp Stiftung und der Beisheim-Stiftung, insgesamt 10 Millionen Euro für die Ukraine bereitgestellt.
Gab es solche Aktivitäten auch zuvor?
Ja, die Stiftung hat bei besonderen Notlagen immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen und versucht, die Not der betroffenen Menschen zu lindern. So auch nach der Tsunami-Katastrophe 2004, dem Oderhochwasser 2002 oder bei der schrecklichen Flut im Ahrtal im Sommer 2021.
Wer koordiniert heute die Stiftungsarbeit?
Verantwortlich ist DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert, der sich sehr stark einbringt und die Stiftungsarbeit koordiniert. Schatzmeister Stephan Grunwald verantwortet die Finanzen. Geschäftsführer Tobias Wrzesinski realisiert und entwickelt mit dem hauptamtlichen Team die Projekte und Maßnahmen.
Im Kuratorium, dessen Vorsitzender ich als DFB-Präsident satzungsgemäß bin, wissen wir bemerkenswerte Persönlichkeiten an unserer Seite, die unser Wirken mit Rat und Tat unterstützen. Das wissen wir sehr zu schätzen. Ebenso sind wir dankbar für die Verbindung zu Familie Braun über die Söhne Rolf und Ferdy.

Gibt es Personen, die sich besonders um die Stiftungsarbeit verdient gemacht haben?
Selbstverständlich wäre ein Vierteljahrhundert Stiftungsarbeit nicht möglich gewesen, ohne engagierte Menschen in Wahl- und Hauptamt. Dabei denke ich beispielsweise an Dr. Theo Zwanziger, der sich im Jahr 2001 maßgeblich für die Errichtung der Stiftung eingesetzt hat. Wolfgang Watzke wurde 2001 der erste hauptamtliche Geschäftsführer und blieb es bis März 2017. Die Vorsitzenden Karl Schmidt, Karl Rothmund, Eugen Gehlenborg, Dirk Janotta und heute Ralph-Uwe Schaffert haben sich ebenso wie die Schatzmeister Walter Hützen, Horst R. Schmidt, Reinhard Grindel, Dr. Stephan Osnabrügge und aktuell Stephan Grunwald um die Stiftung und ihre Ideale in hohem Maß verdient gemacht. Gleiches gilt für Alfred Vianden, der sich aus persönlicher Freundschaft und Verbundenheit zu Egidius Braun bis heute im Stiftungsvorstand engagiert. Nicht unerwähnt bleiben darf zudem Marianne Braun, die im Mai 2020 verstorbene Ehefrau von Egidius Braun.
Die Mexico-Hilfe gäbe es ohne Rudi Völler und Toni Schumacher nicht. Viele weitere Spieler der 1986-Mannschaft haben kontinuierlich unterstützt. Auch Franz Beckenbauer war stets hilfsbereit.
Mit Unterstützung unseres Botschafters Jonathan Tah haben wir in den letzten Jahren die Initiative „Kinderträume“ weiterentwickelt und unterstützen darüber Kinder und Jugendliche in speziellen Lebenssituationen. Beispielsweise bei onkologischen Erkrankungen oder dem Verlust eines Elternteils. Im vergangenen Herbst fand dabei erstmals ein Trauer-Wochenende auf dem DFB-Campus statt.

Was sind die Ziele für die nächsten 25 Jahre?
Die Stiftung wird unverändert im Namen und im Sinne von Egidius Braun und als wichtige gesellschaftspolitische Akteurin des DFB ihren satzungsgemäßen Aufgaben nachkommen. Die Förderung von jungen Ehrenamtstalenten, die Stärkung unserer Demokratie und bürgerschaftlichen Engagements sowie die Förderung von Fußballvereinen bleiben dabei zusammen mit den Aktivitäten in Mexiko und Osteuropa in unserem Fokus. Ohne jeden Zweifel: Fußball war, ist und bleibt mehr als ein 1:0. Dafür setzen wir uns gemeinsam im Team und mit den Möglichkeiten des organisierten Fußballs auch künftig ein.