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Beim ASV 1946 Waldsee e.V. haben die Überzeugung und der Optimismus Einzelner zu einem wegweisenden Projekt geführt. Der Verein aus dem Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV) hat sich zu einer gefragten Adresse im Inklusionsfußball entwickelt und durch dieses Engagement einen spürbaren Gesamtaufschwung erlebt.
Die beeindruckende Entwicklung begann vor drei Jahren mit den Mitgliedern einer inklusiven Walking-Gruppe, deren Weg geradewegs auf den Sportplatz führte. „Die Gruppe hatte gerade ihre Runde durch den angrenzenden Wald gedreht. Einige der Jungs sind auf den Platz, haben sich einen Ball geschnappt und gekickt“, erinnert sich der ASV-Vorsitzende Alexander Krieger. Die Begeisterung der jungen Leute mit unterschiedlichen Handicaps war unübersehbar. Das fiel auch Trainer Achim Steinborn auf, der gerade die Utensilien nach einer A-Junioren-Einheit einpackte.

„Achim hat mich damals angesehen und kurzentschlossen gesagt, wir sollten eine Inklusionsmannschaft auf die Beine stellen“, so Krieger. Damit war die Idee geboren. „Es war eine reine Herzensentscheidung“, schaut der 34-Jährige zurück. Zwar habe er ohnehin vorgehabt, das Thema Inklusion in den rheinland-pfälzischen Verein einzubringen, spezifische Vorerfahrungen im Handicap-Fußball hatten jedoch weder er noch der Coach.
Rasantes Wachstum und Auszeichnung mit dem Sepp-Herberger-Award
Was fehlte, machten Krieger und Steinborn mit Optimismus und Tatendrang wett. „Mehr braucht es eigentlich auch nicht. Jeder kann Angebote im Handicap-Fußball initiieren, wenn die nötige Leidenschaft vorhanden ist“, ist Krieger überzeugt. Die Praxis gibt ihm Recht: Aus der Idee für ein inklusives Fußballtraining ist eine Erfolgsgeschichte geworden. Die ersten Kicker der heutigen „ASV-Heroes“ stammten aus der Walking-Gruppe. Aus anfangs acht jungen Erwachsenen wurden stetig mehr.

Inzwischen spielen rund zwei Dutzend Erwachsene mit unterschiedlichen Behinderungen in Waldsee Fußball. Einmal wöchentlich bittet Coach Steinborn zum Training – im Sommer auf dem Rasenplatz, im Winter in der Rheinauenhalle. Hinzu kommt seit einiger Zeit ein Bewegungsangebot für Heranwachsende unter dem Titel „Heroes Kids“. 40 der insgesamt 750 Vereinsmitglieder nutzen mittlerweile die inklusiven Angebote des Klubs.
„Die Idee ist sofort durchgeschlagen. Es kommen Spielerinnen und Spieler aus der gesamten Region. Manche fahren 30 Kilometer, bis sie bei uns sind“, erklärt Krieger. Der Klub avancierte folgerichtig zum offiziellen Inklusionsstützpunkt des Südwestdeutschen Fußballverbands. „Wir wollen dieses Thema voranbringen, andere Vereine inspirieren und Botschafter für die Inklusion sein“, erläutert der Vorsitzende, der im Hauptberuf als Logistikmanager beim BASF-Konzern tätig ist. Gerne stehe man anderen Klubverantwortlichen mit Rat zur Seite.

Frischer Wind und das Zukunftsprojekt „ASV blüht auf“
Dieses Engagement blieb auch bundesweit nicht unbemerkt. Im vergangenen Jahr belegte der ASV Waldsee bei der Vergabe der Sepp-Herberger-Awards den zweiten Platz in der Kategorie „Handicap-Fußball“. Nun sollen mit Hilfe der Dietmar Hopp Stiftung und weiterer Unterstützer die nächsten Meilensteine folgen: Geplant ist ein neues Vereinszentrum, um zusätzliche barrierefreie Angebote zu ermöglichen.
„Das Projekt heißt ‚ASV blüht auf‘“, erklärt Krieger. Genau das geschehe im Verein. „Den Klub gibt es nun seit 80 Jahren. Ich bin davon überzeugt, dass es ab und an frischen Wind braucht.“ Die Inklusion sei dieser Wind, die Mitglieder mit Handicap sind längst fester Teil der Vereinsfamilie. „Wir spüren einen echten Aufschwung, weil die Menschen sehen, dass wir Angebote schaffen, die den ASV zu einem lebendigen Familienverein machen“, bilanziert Krieger. Der Weg des Klubs ist damit noch lange nicht am Ende.