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Der SV Tiefenbach gehört zu den 75 Vereinen, die in diesem Jahr an einer der 18 einwöchigen Fußball-Ferien-Freizeiten der DFB-Stiftung Egidius Braun teilnehmen dürfen. DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann überreichte den Verantwortlichen nun offiziell die Teilnahmeurkunde. Die diesjährigen Fußball-Ferien-Freizeiten stehen unter dem Motto „Dein Matchplan 2026: Mit Fairplay und Respekt zu den Fußball-Ferien-Freizeiten". Doch was macht den SV Tiefenbach so besonders?
Es war ein Vorfall, wie er im Amateurfußball leider immer wieder vorkommt – und der beim SV Tiefenbach vieles verändert hat. Nach einem Spiel der ersten Mannschaft schlug ein Spieler des gegnerischen Teams einen Anhänger der Tiefenbacher nieder. Es kam zu Tumulten, die Polizei musste eingreifen. Für die Verantwortlichen des Vereins aus dem Badischen Fußballverband war das Ereignis ein tiefer Einschnitt – und der Auslöser für ein grundlegendes Umdenken.

Das ist nun fast drei Jahre her. Marcel Martin, Vorstand Öffentlichkeitsarbeit im Verein, denkt noch heute gelegentlich an jenen Nachmittag: „Das war kein schöner Moment. Unsere Spieler waren gar nicht aktiv involviert – die Aktion ging vollständig von unseren Gästen aus. In dem Moment war es nicht zu verhindern, obwohl wir mehrere Ordner vor Ort hatten. Hinterher haben wir uns zusammengesetzt und die ganze Geschichte aufgearbeitet, denn so etwas wollen wir auf unserer Anlage nie wieder erleben“, sagt Martin. „Aus diesem Prozess heraus haben wir eine Projektgruppe gebildet, die seitdem ganz konkrete Maßnahmen entwickelt, damit es zu keinem weiteren Vorfall dieser Art kommt.“
Fairplay und Respekt als Vereinsleitbild
Seither stehen Fairplay und Respekt beim SV Tiefenbach mehr denn je im Mittelpunkt. Unter diesem Leitgedanken entwickeln die Verantwortlichen gerade das Kinderschutzkonzept des Vereins. „Wie es der Name sagt, geht es uns darum, dem Nachwuchs Fußball in einem geschützten Rahmen zu ermöglichen. Und wir wollen so früh wie möglich damit beginnen, Kinder und Jugendliche für das Thema Fairplay zu sensibilisieren und ihnen die Werte zu vermitteln, die unseren Verein ausmachen“, betont Marcel Martin. „Dabei ist es unserer Erfahrung nach entscheidend, auch die Eltern von Anfang an einzubeziehen. Nur wenn wir alle gemeinsam in dieselbe Richtung denken, können wir unsere Ziele wirklich erreichen.“
Um das Thema in seiner ganzen Breite zu durchdringen, trafen sich Marcel Martin und seine Vorstandskollegen zu einer Klausurtagung, bei der sie gemeinsam erarbeiteten, wie die geplanten Maßnahmen von der Theorie in die Praxis überführt werden können. Um auch die Verbandsperspektive einzuholen, luden sie eine Referentin des Badischen Sportbundes ein, die verschiedene Aspekte und Handlungsempfehlungen aus ihrer Expertise einordnete. „Es war uns sehr wichtig, einen anderen Blickwinkel auf diese komplexe und vielschichtige Thematik zu bekommen“, erklärt Martin. „Das war ein konstruktiver und lehrreicher Austausch für alle Beteiligten.“

Viele Maßnahmen, ein gemeinsames Ziel
Seitdem hat sich beim SV Tiefenbach viel bewegt. Ergänzend zum regulären Spielbetrieb richtet der Verein bei den Bambinis bis zur E-Jugend spezielle Fairplay-Spieltage aus, die Kinder und Eltern gleichermaßen für die Bedeutung des Themas sensibilisieren. Auf der gesamten Anlage weisen Banner und Plakate darauf hin, dass Respekt und Toleranz hier keine Kür, sondern Pflicht sind. Darüber hinaus haben die Verantwortlichen ein Ampelplakat entwickelt, das auch externen Jugendtrainern und -trainerinnen klar zeigt, welche Verhaltensweisen beim SV Tiefenbach mit der roten Karte geahndet werden.
Das gilt übrigens nicht nur im Jugendbereich, sondern vereinsweit. So erhalten etwa die Herren – die zuletzt in die Kreisliga aufgestiegen sind – einen Zuschuss zur nächsten Mannschaftstour, wenn sie die Saison unter den ersten drei der Fairplay-Tabelle abschließen. „Es gibt nicht die eine Maßnahme, die alle Probleme löst“, sagt Martin. „Auch hier gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wir müssen das Thema immer wieder ansprechen, immer wieder Aktionen starten und es kontinuierlich in den Fokus aller rücken. Nur so funktioniert es dauerhaft.“

Schiedsrichter als Partner – nicht als Gegner
Auch der respektvolle Umgang mit Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern wird beim SV Tiefenbach konsequent thematisiert. „Ich war selbst über acht Jahre als Unparteiischer tätig und weiß, was man sich dort manchmal anhören muss. Das möchte ich auf unserer Anlage nicht erleben“, so Martin. „Deshalb laden wir einmal im Jahr eine Schiedsrichterin oder einen Schiedsrichter aus dem Fußballkreis ein, der mit allen Interessierten Regelkunde macht – und vor allem erklärt, wie das Miteinander zwischen Unparteiischen, Spielerinnen und Spielern, Trainerinnen und Trainern sowie den Zuschauenden aussehen sollte. Das schafft Verständnis und kann in hitzigen Situationen deeskalierend wirken.“
Da die Themen Respekt und Fairplay so viele Facetten haben, gibt es beim SV Tiefenbach mittlerweile einen eigens ernannten ehrenamtlichen Sicherheitsbeauftragten, bei dem alle Fäden zusammenlaufen.

Die Belohnung: Eine Woche Fußball-Ferien-Freizeit
Für dieses vielfältige Engagement darf nun die aktuell in die Landesliga Mittelbaden aufgestiegene C1-Jugend der JSG Östringen auf Einladung der DFB-Stiftung Egidius Braun an einer Fußball-Ferien-Freizeit in der Sportschule Edenkoben teilnehmen. Der SV Tiefenbach ist hier seit dem Jahr 2004 Kooperationsverein der Jugendspielgemeinschaft mit mittlerweile vier weiteren Vereinen in der direkten Nähe. „Wir freuen uns riesig, weil das Programm fantastisch ist und der Schwerpunkt ‚Fairplay' perfekt zu unseren Themen passt“, sagt Martin, der seit dem 1. Januar 2026 auch als Jugendkoordinator die Geschicke der JSG Östringen (C- bis A-Jugend) leitet. Und eines betont er mit Nachdruck: Seit die Verantwortlichen nach dem Vorfall vor fast drei Jahren konsequent gehandelt haben, ist nichts Vergleichbares mehr passiert. Fair geht vor – beim SV Tiefenbach und der JSG Östringen.
Insgesamt lädt die DFB-Stiftung Egidius Braun auch in diesem Jahr rund 1.000 Teilnehmende im Alter von 13 bis 15 Jahren zu den Freizeiten ein. An sechs Standorten organisiert die Stiftung mit einem Team von rund 70 Mitarbeitenden insgesamt 18 Freizeiten. Die einwöchigen Angebote an den Sportschulen der DFB-Landesverbände in Edenkoben, Grünberg, Duisburg, Bad Blankenburg, Malente und Schöneck (Karlsruhe) sind für die 75 eingeladenen Fußballvereine kostenlos und ein Dankeschön für das ehrenamtliche Engagement in den Klubs.