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Wie gehen Fußballvereine mit Tradition, Veränderung und gesellschaftlichen Herausforderungen um? Diese Frage stellt das Team Sisyphos in ihrer Theaterproduktion „NEEDS – Kritik der Bedürfnisse. Auf ihrer Tour durch Deutschland war das von der DFB-Kulturstiftung geförderte Stück im Rahmen des FAVORITEN Festivals zu Gast im Deutschen Fußballmuseum Dortmund.

Zwischen Mannschaftskabine und Kneipentresen, zwischen sozialen Aufstiegsträumen und ökologischer Nachhaltigkeit entfaltete sich im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund ein ebenso unterhaltsames wie kritisches Vereinsdrama. Im Mittelpunkt: Drei Mitglieder des SJC Hövelriege – ein Amateurverein, den es tatsächlich gibt. Beheimatet im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen wurde er 2013 mit dem Julius Hirsch Preis des Deutschen Fußball-Bundes ausgezeichnet.
In „NEEDS“ bereiten die drei ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder die Jubiläumsfeier vor und gerade dabei immer wieder aneinander. Denn was sollte im Verein mehr Gewicht haben: Bewährte Traditionen oder notwendige Veränderungen? Und wer gehört eigentlich dazu? Der Fußballverein wird so zur Verhandlungs- und Diskussionszone, in der Bratwurst, Bier und Männlichkeit auf Fragen nach Teilhabe, Nachhaltigkeit und den Folgen zunehmender Kommerzialisierung treffen. Mit viel Spielfreude und Humor zeigt die Produktion, wie sehr der Sport als sozialer Kitt wirken kann – und wie bedroht diese Funktion ist, wenn wirtschaftlicher Druck und Leistungsdenken die kleinen Vereine erreichen.

Das Team Sisyphos mit den drei Profi-Schauspieler*innen Martin Bretschneider, Atdhe Ramadani und Felix Linnemann präsentiert ein spielerisches Volkstheater im Trainingsanzug, das zwischen ekstatischer Begeisterung für den Fußball und radikaler Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen wechselt. Gedanken von Karl Marx, Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse finden ebenso Eingang in das Stück wie Fragen nach Konsum, Profit, Leistungszwang und unsichtbarer Sorgearbeit. Theoretische Bezüge werden zugänglich und mit großer Leichtigkeit vermittelt – gewissermaßen wie eine Portion Pommes rot-weiß.
Die Konflikte des SJC Hövelriege entwickeln sich als Kammerspiel im Vereinsheim: ein Aufeinandertreffen von Milieu und Mythos, Provinz und Olymp. Slapstick, hitzige Diskussionen, zärtliche Momente und musikalische Elemente sorgen für einen abwechslungsreichen Theaterabend. Trotz aller Spannungen bleibt am Ende eine Erkenntnis: Der Fußballverein ist mehr als ein Ort des Sports. Er ist ein sozialer Raum, in dem Zugehörigkeit, Verantwortung und Zukunft immer wieder neu ausgehandelt werden müssen.

Das von der DFB-Kulturstiftung geförderte Stück wird mit großem Erfolg in NRW und darüber hinaus wie im Tempodrom Berlin gezeigt. Die Aufführung im Deutschen Fußballmuseum war Teil des FAVORITEN Festivals, des Theater-, Tanz- und Performancefestivals der Freien Szene Nordrhein-Westfalens. Als eines der ältesten Festivals der Freien Darstellenden Künste in Deutschland richtet es sich an Menschen aus Stadt und Region ebenso wie an ein bundesweites und internationales Fachpublikum.