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Die diesjährigen Fußball-Ferien-Freizeiten, die traditionell in den Sommerferien von der DFB-Stiftung Egidius Braun ausgerichtet werden, haben begonnen. Im Jahr 2026 stehen „Fairplay und Respekt“ im Fokus. Dazu wurden mit der Gewaltforscherin Dr. Thaya Vester aus Tübingen Module entwickelt, die in die Praxiseinheiten des Programms eingebunden sind.
„Fairplay und Respekt sind die Grundbedingungen dafür, dass Fußball überhaupt funktioniert. Ein Spiel braucht einen Ball, zwei Teams, Tore – das ist die Basis. Aber es braucht natürlich auch Regeln“, sagt Vester. „Genau an diesem Punkt beginnt das, was in diesem Jahr bei den Fußball-Ferien-Freizeiten bewusst im Mittelpunkt steht: Respekt vor dem Spiel, dem Schiedsrichter sowie dem Mit- und Gegenspieler.“ Denn wo Regeln unklar sind oder nicht akzeptiert werden, entstehen Missverständnisse. Und diese kippen – auf dem Platz wie im Alltag – schneller in Konflikte, als viele glauben. Häufig ist nicht der Anlass groß, sondern das, was dahinterliegt: ein Gefühl von Ungerechtigkeit, Frust oder das Empfinden, nicht gehört oder gesehen zu werden.
Als Dozentin und Gewaltforscherin setzt Thaya Vester mit ihrem Modulkonzept dort an, wo Prävention am stärksten ist: ganz am Anfang. „Wir dürfen nicht immer erst dann reagieren, wenn etwas schiefgegangen ist“, betont sie. „Wir müssen früher starten und Kindern und Jugendlichen von Beginn an Werkzeuge geben, wie es besser laufen kann.“
Genau deshalb gehen die diesjährigen Freizeiten das Thema so konsequent und praxisnah an. Rund 1.000 Jugendliche aus 75 Fußballvereinen erleben in 18 einwöchigen Freizeiten an sechs Standorten ein Programm, das Fußball, Gemeinschaft und Bildungsbausteine verbindet. Das Jahresthema wird dabei von FIFA-Schiedsrichter Harm Osmers als Schirmherr und Botschafter mitgetragen.
Daniel Nivel-Stiftung als Unterstützerin dabei
Unterstützt wird das Programm durch die Daniel Nivel-Stiftung. Die im Jahr 2000 zur Kriminalprävention gegründete Stiftung agiert seit dem Jahr 2024 unter dem Dach der DFB-Stiftung Egidius Braun. „Das Ziel der Stiftung ist unverändert: wir treten aktiv gegen jede Form von Gewalt auf und neben dem Fußballfeld ein“, sagt Tobias Wrzesinski, Geschäftsführer der DFB-Stiftung Egidius Braun und Mitglied des Stiftungsrates der Nivel-Stiftung. „Dabei unterstützen und realisieren wir Veranstaltungen, Tagungen und Kongresse. Im Rahmen der Fußball-Ferien-Freizeiten stellen wir den teilnehmenden Klubs im Anschluss Leibchen mit ihrem individuellen Fairplay-Motto zur Verfügung.“
Der französische Polizist Daniel Nivel wurde während der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Lens von deutschen Gewalttätern angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Bis heute leidet er unter den Folgen dieses Verbrechens.

An der Basis beginnen: Vom Fußball aus denken
Die mit Vester entwickelten Module setzen direkt beim Spiel an: Wenn Jugendliche ausprobiert haben, wie sich ein Match ohne Regeln anfühlt, merken sie schnell, dass diese dafür sorgen, dass alle unter fairen Bedingungen spielen können. „Wenn über Fairplay gesprochen wird, muss man bei der Basis anfangen. Erst wenn Regeln verstanden und akzeptiert sind, kann überhaupt fair gespielt werden“, erklärt Vester. Gleichzeitig wächst das Verständnis für die Unparteiischen: „Viele Konflikte entstehen, weil man glaubt, eine Entscheidung sei falsch – ohne die Regeln wirklich zu kennen oder die Perspektive der Schiedsrichter einzunehmen.“
Darauf baut das Thema „Verhalten“ auf. Fairplay zeigt sich im Ton, in Gesten und vor allem dann, wenn es „um etwas geht“ – wenn ein Spiel eng ist oder man sich ungerecht behandelt fühlt. Dann wird Fairplay zur Charakterfrage. „Die Kunst ist, fair und respektvoll zu bleiben, auch wenn es den eigenen Erfolg scheinbar schwieriger macht“, sagt Vester. „Wenn man 8:0 führt, ist es einfach, respektvoll und fair zu sein. Aber wie ist es, wenn es nach 85 Minuten in einem wichtigen Spiel 0:0 steht?“ Der Schlüssel zur Konfliktvermeidung sei der Perspektivwechsel: „Respekt beginnt oft mit einer einfachen Frage: ‚Wie würde ich das finden, wenn ich gerade in der anderen Rolle wäre?‘ Diese Frage sollte man sich immer stellen.“
Keine leistungsportorientierten Trainingslager
Das Besondere an den Fußball-Ferien-Freizeiten ist, dass sie diese Fragen im Alltag erlebbar machen. Die Jugendlichen erleben während des Programms eine Woche, die ausdrücklich nicht als leistungssportorientiertes Trainingslager konzipiert ist, sondern eine Mischung aus unterschiedlichen Erlebnissen auf und neben dem Spielfeld bietet. Der Fußball ist dabei Spiegel und Übungsplatz zugleich: Was auf dem Rasen gelingt – Kritik annehmen, Grenzen respektieren und Konflikte fair lösen –, lässt sich direkt auf die Schule, die Ausbildung oder den Freundeskreis übertragen.
Dass die Fußball-Ferien-Freizeiten „Fairplay und Respekt“ ins Zentrum stellen, ist deshalb ein wichtiges Signal: Wertearbeit ist Fundamentarbeit. Am Ende bleibt eine Haltung, die im Fußball wie im Leben trägt: Ich will gewinnen – aber nicht um jeden Preis. Ich will mich zeigen – aber ohne andere klein zu machen. Wenn die Teilnehmenden zwischen 13 und 15 Jahren das aus dieser Woche mitnehmen, dann wirkt das Programm weit über die Freizeit hinaus.