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Julian Schaak war einer von 19 Teilnehmenden der diesjährigen Egidius-Braun-Akademie in der Sportschule Grünberg. Die DFB-Stiftung Egidius Braun hatte junge Ehrenamtliche dorthin eingeladen, um ihr Engagement nachhaltig zu stärken, ihre Arbeit wertzuschätzen und ihnen neue Wege im Vereinsleben aufzuzeigen.
Fünf Tage lang drehte sich für den 28-Jährigen alles um die Zukunft des Ehrenamts. Die bundesweite Initiative vernetzt junge, engagierte Menschen im Fußball und stärkt sie in ihrem alltäglichen Tun. Schaak ist Vorstandsmitglied, verantwortet die Social-Media-Kanäle sowie das Sponsoring und trainiert die zweite Herrenmannschaft beim SV Nienstädt 09, einem Fußballverein aus dem Niedersächsischen Fußballverband (NFV).
Wer Schaak fragt, was er genau ehrenamtlich macht, bekommt keine kurze Antwort. Und das zu Recht. Denn sein Engagement an der Vereinsbasis ist vielfältig. Er treibt im Vorstand die Digitalisierung voran, organisiert Events und ist erster Ansprechpartner für die gesamte Fußballsparte. Wenn der Körper es zulässt, steht er zudem selbst noch als aktiver Spieler auf dem Platz.
Dabei war der Einstieg ins Ehrenamt kein bewusster, geplanter Schritt. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich damals zur Vorstandsrolle gekommen bin. Auf einmal war ich da – wie es auch schon immer ist“, erinnert er sich lachend. Was sich seither nicht verändert hat: seine Leidenschaft. „Morgens und abends denke ich an den Verein – wie ich ihn weiterbringen kann.“

„Das Schönste ist zu sehen, wenn das, was man ausprobiert, auch klappt"
Was Julian Schaak an seiner Arbeit beim SV Nienstädt besonders antreibt, ist nicht der Spielstand am Wochenende. Es ist die Gemeinschaft, die rund um den Sportplatz entsteht. „Viele Zuschauerinnen und Zuschauer kommen gar nicht mehr wegen des Spiels“, sagt er, „sondern einfach wegen der Gemeinschaft. Viele sind gerne von mittags bis abends am Sportplatz, essen eine Bratwurst, trinken ein Bierchen – und haben einfach eine gute Zeit zusammen.“
Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht durch Arbeit und durch Menschen, die bereit sind, ihre Zeit zu investieren. „Manchmal schon sehr viel“, sagt Schaak mit einem Augenzwinkern. „Aber ich mache es gerne, weil es mir Spaß macht und weil ich erlebe, dass man wirklich etwas bewirken kann.“ In den vergangenen drei Jahren hat er maßgeblich zwei neue Sparten mit aufgebaut: eine Dart-Abteilung mit inzwischen 30 Mitgliedern und zwei Mannschaften – die direkt aufgestiegen sind – sowie eine Taekwondo-Sparte, die nach zwei Schnupperkursen schon fast 20 Mitglieder zählt. „Es macht einfach Spaß zu sehen, wenn das, was man ausprobiert, auch klappt.“
Spannendes Programm und viele neue Eindrücke
Auf die Egidius-Braun-Akademie ist Schaak durch sein Netzwerk gestoßen – über eine Gruppe, in der er sich mit anderen engagierten Ehrenamtlichen austauscht. Als er das Angebot sah, war er sofort überzeugt: Themen wie Kommunikation, Fundraising und Vereinsführung – alles Inhalte, die in seinem Vereinsalltag täglich relevant sind. Er bewarb sich, wurde angenommen, und fuhr gemeinsam mit Gleichgesinnten nach Grünberg.
Was ihn dort erwartete, übertraf seine Erwartungen. „Es waren auf jeden Fall sehr intensive fünf Tage“, sagt Schaak. „Wir kamen alle sehr wenig zum Schlafen – weil man tagsüber so viel Input bekommen hat, aber abends eigentlich auch nicht schlafen wollte. Der Austausch mit den anderen Ehrenamtlichen war einfach zu wertvoll.“ Die Atmosphäre unter den Teilnehmenden, alle mit demselben Feuer für ihr Ehrenamt, war besonders. „Ich habe selten solche Aktionen mitgemacht, wo ich so viel mitgenommen habe – für den eigenen Verein und für mich persönlich.“
Das Programm deckte ein breites Spektrum ab: von Fundraising über Öffentlichkeitsarbeit und Social Media bis hin zu Themen wie mentale Stärke und Resilienz im Ehrenamt. Letzteres traf einen Nerv. Denn wer im Vereinsvorstand sitzt, weiß: Nicht immer läuft alles glatt. „Da gibt es immer Querschießer, das kennt man ja“, sagt Schaak. „Aber da haben wir einen Workshop dazu gemacht – wie man mit Rückschlägen umgeht. Die Antwort: Ruhe bewahren, durchatmen, im Zweifel erst am nächsten Tag antworten. Und umso öfter man das durchlebt, desto mehr Resilienz baut man auf.“

100.000 Aufrufe – direkt am ersten Abend
Dass das Gelernte nicht nur theoretisch bleibt, bewies Julian Schaak bereits am Abend desselben Tages, an dem der Social-Media-Vortrag stattfand – gehalten auf dem DFB-Campus. Die Teilnehmenden bekamen eine Vorschau, wie man Reels optimal aufbereitet und welche Elemente auf Plattformen wie Instagram für Reichweite sorgen.
Schaak setzte das Gelernte unmittelbar um – an einem Video, das er bereits hochgeladen hatte, das aber kaum Reaktionen erzielt hatte. Das Motiv: Der Torwart seiner Mannschaft wurde in der 90. Minute als Feldspieler eingewechselt und schoss ein Tor. Eine starke Szene. „Ich hatte das schon hochgeladen, das hatte 100 Likes. Dann habe ich es nach dem Vortrag bearbeitet und angepasst.“ Und dann passierte Folgendes: „100.000 Aufrufe. 2.400 Likes. Das ist mit Abstand das Beste, was wir jemals hatten. Ich glaube, das wäre nicht so gut gelaufen, wenn ich diese Dinge nicht umgesetzt hätte.“ Für ihn war es das perfekte Feedback: Lernen, direkt anwenden, Ergebnis sehen. „Das beschreibt eigentlich die ganze Woche.“
Ehrenamt als Lebensschule
Julian Schaak macht kein Geheimnis daraus, dass ihn das Ehrenamt auch beruflich weitergebracht hat. Führung übernehmen, Verantwortung tragen, Krisen managen: Was im Vereinsvorstand trainiert wird, zahlt sich auch im Büro aus. Und doch ist das für den 28-Jährigen nicht der eigentliche Grund, warum er sich engagiert. Es ist die Leidenschaft, die Gemeinschaft und das Gefühl, etwas aufzubauen. „Es lohnt sich. Man kriegt was zurück. Am Ende zahlt sich die investierte Zeit doch aus.“ Und dann, fast nebenbei, sagt er: „Ich könnte eigentlich nicht mehr ohne Ehrenamt.“
Das Netzwerk, das er in Grünberg geknüpft hat, besteht weiter. Mehrere Ehrenamtliche halten seitdem engen Kontakt, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig. Für Schaak ist das eine der wertvollsten Hinterlassenschaften der Woche. Er hat bereits viele neue Ideen auf seiner Liste – Fundraising auf der Homepage, neue Events, weitere Sparten. Der SV Nienstädt 09 wird es merken.