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Am 9. Juli starten die diesjährigen Fußball-Ferien-Freizeiten der DFB-Stiftung Egidius Braun – insgesamt 18 Wochen voller Fußball, Gemeinschaft und Wertevermittlung stehen bevor. Der SV Melsbach 1919 gehört zu den 75 ausgewählten Vereinen bundesweit, die dabei sind, weil sie sich in besonderer Weise für das diesjährige Schwerpunktthema „Fairplay und Respekt“ engagieren. Celia Šašić, Vizepräsidentin des DFB, überreichte dem Verein aus dem Norden von Rheinland-Pfalz den symbolischen Teilnahmegutschein.
Der Tag der Übergabe wurde zu einem verdienten Schulterklopfer. DFB-Vizepräsidentin Celia Šašić, einst Nationalspielerin und Bundesliga-Torschützenkönigin, kam auf die Anlage des SV Melsbach, um dem rheinland-pfälzischen Fußballclub den symbolischen Gutschein zur Teilnahme an einer der Fußball-Ferien-Freizeiten der DFB-Stiftung Egidius Braun zu überbringen. Damit machte sie klar, dass eine Nachwuchsmannschaft des Klubs zu einer Woche mit Sport, Bildung und einem tollen Rahmenprogramm eingeladen ist, vor allem aber verdeutlichte sie, dass am Rande des Westerwalds vorbildliche Arbeit geleistet wird. Denn bei dem Sportverein aus der rund 2000 Einwohner zählenden Ortsgemeinde wird das diesjährige Schwerpunktthema der Ferien-Freizeiten „Fairplay und Respekt“ in besonderer Weise mit Leben gefüllt.
Im Fokus steht dabei die Jugendabteilung – und das in doppelter Hinsicht: Einerseits sind die Spieler der D-Junioren in ein Projekt neben dem Meisterschaftsspielbetrieb involviert, andererseits wird in innovativer Weise der Schiedsrichternachwuchs gefördert. Jörg Rutkowski hat beide Initiativen im Blick. Als Nachwuchstrainer begleitete er seine Mannschaft in einer Spielrunde mit ungewöhnlichen Gegebenheiten. Unter dem Titel „Miteinander!“ werden im Fußballkreis Westerwald/Wied Fußballspiele bestritten, in deren Verlauf die Spieler selbst entscheiden, welches Team einen Einwurf oder Eckball zugesprochen bekommt. „Ziel des Projekts ist es, Kinder früh an gemeinschaftliche Entscheidungsfindung, Akzeptanz von Regeln und gegenseitigen Respekt heranzuführen“, erklärt Jörg Rutkowski. Ein wichtiger Baustein hierbei sei auch die Einbeziehung der Eltern, die die Bemühungen der sportlich Verantwortlichen aktiv unterstützen.

Team ist Teil eines besonderen Projekts
Die Wirkung auf dem Platz ist so unspektakulär, dass man sie schon wieder spektakulär nennen darf: Ernsthaften Streit, betont der 53-Jährige, habe es nie gegeben, auch wenn es selbstverständlich immer mal wieder unterschiedliche Sichtweisen gegeben habe, wer denn nun zuletzt den Ball berührt hat. „Die Kinder regeln die Entscheidungen recht geräuschlos untereinander. Wir stellen auch fest, dass unsere Kinder auf dem Spielfeld zunehmend besonnen und deeskalierend agieren“, sagt Jörg Rutkowski. Damit lernten sie, Verantwortung zu übernehmen, respektvoll miteinander und dem Gegner umzugehen und im Zweifelsfall auch mal zurückzustecken. „Aber natürlich geht es nicht nur darum, sich den Ansichten des Gegners zu fügen, sondern ebenso respektvoll die eigene Meinung zu vertreten, um nicht übervorteilt zu werden“, so der Trainer. Zudem werden die üblicherweise noch recht jungen Schiedsrichter entlastet, die sich auf andere Entscheidungen konzentrieren können.
Begleitet wird das Projekt von Peter Ganzer vom Fußball-Kreis Westerwald-Wied und sogar wissenschaftlich, von Studierenden der Uni Koblenz-Landau. Die bisherige Erkenntnis: Die beteiligten Spieler nehmen die ungewohnte Eigenständigkeit sehr positiv auf. „Und für meine Spieler kann ich sagen, dass sie es auch schön fanden, Teil eines besonderen Projekts zu sein“, stellt Rutkowski klar. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Maxime des verstorbenen DFB-Ehrenpräsidenten Egidius Braun gilt: Fußball – mehr als ein 1:0.
Plattform für erste Erfahrungen als Unparteiischer
Beim 350 Mitglieder starken SV Melsbach – darunter 140 Kinder und Jugendliche – kann man dies auch beim Blick auf ein weiteres Projekt erkennen. Um Fairness und die Wertschätzung aller am Fußball beteiligten Akteure zu fördern, hat der Verein mit Saisonbeginn eine Initiative zur Gewinnung von Schiedsrichternachwuchs gestartet. C-Jugendliche können nach einer vereinsinternen Schulung als Schiedsrichter bei den E-Jugend-Spielen auf heimischem Platz erste Erfahrungen sammeln und in einem geschützten Rahmen Verantwortung übernehmen und Sicherheit gewinnen. „Darüber hinaus motivieren und unterstützen wir unsere Jugendlichen bei der offiziellen Schiedsrichterausbildung“, sagt Rutkowski. Die Resonanz kann sich sehen lassen. Der Kreis der Beteiligten wächst. Und nicht nur das: Erste 13- bis 15-jährige Spieler absolvieren inzwischen eine offizielle Ausbildung zum Unparteiischen. „Den Jungs macht es Spaß zu pfeifen und das Schiri-Outfit überzustreifen“, hat Rutkowski als Begleiter des Projekts beobachtet.

Die Schiri-Youngster übernehmen mit der Spielleitung jenen Job, den zuvor zumeist Trainer oder Eltern absolviert haben. „Sie machen das ehrenamtlich, für ein Bratwürstchen nach dem Abpfiff und eine Ehrung zum Jahresende“, so der 53-Jährige. Es geht also in erster Linie um die Freude an der Sache – mit dem Nebeneffekt, dass die Jugendlichen neues Selbstvertrauen und die Fähigkeit erwerben, Entscheidungen zu treffen und zu vertreten. „Einmal habe ich erlebt, dass ein erwachsener Zuschauer sich über einen Pfiff beschwert hat. Unser Schiedsrichter hat ihn daraufhin sehr souverän zurechtgewiesen und schnell für Ruhe gesorgt, obwohl es sein erster Einsatz war“, hat Rutkowski beobachtet. Die Jungen wachsen also ganz offenbar schnell an ihrer Aufgabe und sammeln wertvolle Erfahrungen. Im Juli werden nun für einige von ihnen weitere hinzukommen, wenn sie eine Woche bei der Fußball-Ferien-Freizeit in der Sportschule Grünberg verbringen.
1.000 Teilnehmende bei den Fußball-Ferien-Freizeiten
Insgesamt lädt die DFB-Stiftung Egidius Braun auch in diesem Jahr rund 1.000 Teilnehmende im Alter von 13 bis 15 Jahren zu den Freizeiten ein. An sechs Standorten organisiert die Stiftung mit einem Team von rund 70 Mitarbeitenden insgesamt 18 Freizeiten. Die einwöchigen Angebote an den Sportschulen der DFB-Landesverbände in Edenkoben, Grünberg, Duisburg, Bad Blankenburg, Malente und Schöneck (Karlsruhe) sind für die 75 eingeladenen Fußballvereine kostenlos und ein Dankeschön für das ehrenamtliche Engagement in den Klubs.