15.10.2026

Vom Kunst-Kurs auf die große Bühne: Die Frida-Levy-Gesamtschule Essen setzt Zeichen bei der Verleihung des Julius Hirsch Preises

Anlässlich der diesjährigen Verleihung des Julius Hirsch Preises am 23. November in Essen verbindet ein begleitendes Bildungs- und Kunstprojekt der DFB-Kulturstiftung Erinnerungskultur, gesellschaftliche Verantwortung und kreative Gestaltung. Unter Leitung des Essener Künstlers David Hufschmidt alias „Top Notch“ gestaltet der Wahlpflichtfach-Kunst-Kurs des 9. Jahrgangs der Frida-Levy-Gesamtschule Essen eine räumliche Kunstinstallation als Teil des Bühnenbildes für die 22. Verleihung des Julius Hirsch Preises in der Weststadthalle.

David Hufschmidt alias „Top Notch“ mit Schüler*innen der Frida-Levy-Schule (Foto: Thomas Böcker/DFB)

Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die kreative Arbeit, sondern auch die Auseinandersetzung mit wichtigen gesellschaftlichen Fragen und Themen rund um Vielfalt, Menschenwürde und Demokratie. Werte, für die der Julius Hirsch Preis steht. Rund um die künstlerische Arbeit beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler schon seit Beginn des Schuljahres mit der Wirkung von Diskriminierung und Antisemitismus in der Gegenwart, der Vita von Julius Hirsch und ihrer eigenen Verantwortung als junge Menschen für ein respektvolles und solidarisches Miteinander.

Geschichte verstehen, Gegenwart hinterfragen

Ausgangspunkt des Projekts: die Lebensgeschichte von Julius Hirsch. Der 1892 geborene Karlsruher Kaufmann und Nationalspieler gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballs im frühen 20. Jahrhundert. Neben Gottfried Fuchs war „Juller“, so sein allseits bekannter Rufname als Fußballer, einer von nur zwei jüdischen Spielern in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Als erstem Spieler gelangen ihm vier Treffer in einem Spiel (beim 5:5 gegen Holland 1912). 1910 gewann er mit dem Karlsruher FV sowie 1914 mit der SpVgg Fürth die Deutsche Meisterschaft. Ab 1933 wurde Hirsch aufgrund seiner jüdischen Herkunft durch die Nationalsozialisten entrechtet und verfolgt. 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Seine Geschichte, an die der DFB jährlich mit der Verleihung des Julius Hirsch Preises erinnert, steht exemplarisch für die Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Menschen im Nationalsozialismus.  

Von der eigenen Idee zum gemeinsamen Kunstwerk

Ausgehend von seiner Vita und dem nach ihm benannten Preis stellen die Jugendlichen Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen her. Dabei spielt auch die Namensgeberin ihrer Schule, Frida Levy, eine jüdische Frauen- und Bürgerrechtlerin, eine Rolle. Beide Persönlichkeiten eröffnen einen Zugang zu Demokratie, Teilhabe und gesellschaftlicher Verantwortung. Ausgehend von der Auseinandersetzung mit den historischen Themen und ihrer eigenen Position bringen die Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken, Eindrücke und Erfahrungen auf die Leinwand – und schaffen so einen künstlerischen Rahmen für eine Preisverleihung, die Menschen zusammenbringt und wichtige Werte in den Mittelpunkt stellt. Auf diese Weise schafft der Julius Hirsch Preis eine Bühne für die Botschaften und Haltungen der jungen Menschen des Kunstkurses. Denn Erinnerung bedeutet auch, Verantwortung für heute und morgen zu übernehmen. Und manchmal beginnt ein solches Zeichen mit einer eigenen Idee, einer Leinwand und dem Mut, Haltung zu zeigen.

Leinwände mit eigenen Botschaften und Haltung gestalten (Foto: Thomas Böcker/DFB)

Mit dem Julius Hirsch Preis zeichnet der DFB seit 2005 jährlich Menschen, Initiativen und Projekte aus, die sich im, mit oder durch den Fußball für Vielfalt, Menschenwürde und demokratische Werte engagieren und gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus eintreten. Am 23. November werden die diesjährigen Preistagenden – die Streetbolzer e. V. aus Kassel, der SV Borussia Leer sowie die Deutsch-Tschechische Fußballschule mit Sitz im bayerischen Rehau – feierlich ausgezeichnet.

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