
.png)

Nächster Halt Leipzig: Am 9. und 10. Mai gastiert die Blindenfußball-Bundesliga erstmals beim traditionsreichen 1. FC Lokomotive. In der Messestadt freut man sich auf die Premiere. Die Ausrichtung des zweiten Spieltags markiert einen Meilenstein für den inklusiven Sport in der Region.
„Für uns ist das Neuland. Es ist eine Chance, unser soziales Engagement nach außen hin sichtbar zu machen und diese faszinierende Facette des Fußballs in den Blickpunkt zu rücken“, blickt Carola Kuhn der ersten Austragung eines Spieltags jenes Wettbewerbs für blinde und sehbehinderte Menschen entgegen, den die DFB-Stiftung Sepp Herberger gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband bereits seit 2008 alljährlich auf die Beine stellt.
Für den Verein um die ehrenamtlich für Breitensportbelange zuständige Kuhn, Lok-Geschäftsführer Martin Mieth und Ulrich Arnold als Koordinator Blindenfußball ist das bevorstehende Event aber alles andere als ein Sprung ins kalte Wasser. Seit langer Zeit richtet der Sächsische Behindertensportverband ein Blindenfußball-Turnier um den Pokal der Stadt Leipzig aus und seit inzwischen rund einem Jahrzehnt ist das besagte Trio aus den Reihen des 1. FC Lok Leipzig mit der Organisation betraut. Im Oktober herrscht in der Sporthalle „Am Rabet“ im Osten der sächsischen Metropole stets für zwei Tage internationales Flair. „Zuletzt waren acht Mannschaften dabei“, so Kuhn. Blindenfußballer von Bundesligisten wie dem VSC/BSS Wien, FC Ingolstadt oder Hertha BSC sind dann zu Gast.

Turnier mit internationalem Flair
Zum Starterfeld gehörten aber auch schon Teams aus Spanien, der Republik Moldau, Polen und Russland. 150 Spielerinnen, Spieler und Betreuer sorgen dann für geschäftiges Treiben. Vor allem aber für sportliche Leistungen, die das Zeug dazu haben, Menschen nachhaltig zu beeindrucken. Der Faszination Blindenfußball konnte auch Kuhn sich vom ersten Moment an nicht entziehen. „Als ich zum ersten Mal ein Spiel gesehen habe, hat mich das tief beeindruckt“, sagt sie. Der Kampfgeist der Sportlerinnen und Sportler, das dennoch stets faire Miteinander, die vielen Menschen, die sich unterstützend einbringen. „Wer es einmal erlebt hat, den lässt es nicht mehr los“, sagt Kuhn. Sie hätten die Eindrücke zudem geerdet. „Ich glaube, wir beklagen uns manchmal über Alltägliches und wissen gar nicht, wie gut es uns eigentlich geht“, ist sie überzeugt. Zu sehen, wie die Blindenfußballer ihr Handicap annehmen und mit Elan und Eifer dabei seien, eröffne eine neue Perspektive. „Und mich beeindruckt deren Einstellung. Die knallen gegen die Bande, stehen auf und machen weiter. Da könnte sich der ein oder andere Bundesliga-Profi eine Scheibe von abschneiden“, findet die Sächsin.
All das waren gute Gründe, ja zu sagen, als Carsten Raschke, langjähriger Schiedsrichter beim Blindenfußball-Cup im Herbst, angefragt hat, ob man sich die Ausrichtung eines Blindenfußball-Bundesliga-Spieltags vorstellen könne. Anders als beim gewohnten Turnier geht es im Mai zur Austragung des zweiten Spieltags der Serie in die Franz-Josef Wernze Halle an der Connewitzer Straße 21. „Dort kann auf Kunstrasen gespielt werden, das geht in der anderen Halle nicht“, benennt Kuhn den einfachen Grund.

Ein Wettbewerb mit besonderer Strahlkraft
Die Liga mit bundesweiter Reputation, die zuvor den Auftakt beim Rekordmeister MTV Stuttgart feiert und nach Leipzig weiterzieht nach Dortmund (30./31. Mai), Hamburg (20./21. Juni), Ingolstadt (4./5. Juli) und schließlich ihr großes Finale am 11. und 12. September im Rahmen der Fußball-Inklusionstage in Essen erlebt, besitzt besondere Strahlkraft. Darauf setzt man in Leipzig. „Wir hoffen, mehr Spieler und Verantwortliche für den Blindenfußball gewinnen zu können“, so Kuhn, die die Stadtverwaltung auf ihrer Seite weiß. Bislang ist der Kreis von Spielerinnen und Spielern überschaubar. Britt Kannegießer und Philipp Tauscher laufen regelmäßig für Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga auf. Und bis zum Karriereende im vergangenen Jahr tat dies auch Kannegießers Ehemann Falko. Beim heimischen Oktober-Turnier halfen dann im Gegenzug Düsseldorfer, ein Lok-Leipzig-Team auf die Beine zu stellen. „In Anerkennung unseres Engagements hat auch der FC St. Pauli schon ein Finalspiel in unseren Trikots gespielt“, erinnert sich Kuhn, die beruflich als Leiterin einer Grundschule eingespannt ist.
Sie brennt für den Blindenfußball. „Es gibt mir viel, wenn ich die Herzlichkeit und Dankbarkeit erlebe“, erläutert sie den Hintergrund ihres Engagements. Im Vorfeld des Turniers wirbelt sie mit Geschäftsführer Martin Mieth und Ulrich Arnold. Wenn es dann an den Turniertagen ernst wird, ist die gesamte Familie mit Ehemann, Tochter und Sohn dabei. Selbst die Jungs aus der Fankurve des 1. FC Lokomotive packen dann an und schleppen die schweren Spielfeldbanden. Das schweißt zusammen – und schafft die Grundlage, um weitere Menschen für den Sport zu begeistern.