5.8.2026

„Echte Mitgliedschaften in echten Vereinen“: Stefan Jähne will den Inklusionsfußball in Brandenburg etablieren

(Foto: privat)

Stefan Jähne hat eine klare Mission: Er möchte Menschen mit und ohne Behinderung dauerhaft zusammen auf den Fußballplatz bringen. Seit Juli 2025 ist der 34-Jährige als Inklusionsbeauftragter beim Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) aktiv. Bei einer Tagung der Inklusionsbeauftragten auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main, organisiert durch die DFB-Stiftung Sepp Herberger, tauschte er sich nun mit den anderen Landesverbänden über Best-Practice-Beispiele aus.

Jähne bringt für seine Aufgabe ein starkes Fundament mit: Er arbeitet hauptamtlich beim Behinderten- und Rehabilitationssportverband Brandenburg (BSV Brandenburg), wo er seit 2018 die Abteilung Fußball leitet. Diese Position garantiert ihm tiefe Einblicke in die Bedarfe von Menschen mit Einschränkungen. Der enge Kontakt zum FLB entstand schließlich durch sein zusätzliches Engagement als Trainer der Landesauswahl für Menschen mit geistiger Behinderung.

Blickt man auf die aktuelle Fußballlandschaft in Brandenburg, ist das inklusive Angebot für Menschen mit Handicap bislang sehr überschaubar. „In erster Linie gibt es Werkstattmannschaften, die in einer eigenen Liga spielen“, erklärt Jähne. Diese umfasst zehn Teams, die sich sechs- bis achtmal im Jahr zu Turnieren treffen. Doch das ist dem Funktionär nicht nachhaltig genug. In Frankfurt erlebte er, wie das Thema in anderen Regionen gelebt wird: „Ich war wirklich erstaunt, wie weit fortgeschritten einige Landesverbände schon sind. Ligabetriebe mit regelmäßigen Spieltagen und ein strukturierter Wettkampf existieren in Brandenburg bislang kaum. Das möchte ich ändern.“

Das Ziel: Feste Inklusionssparten im organisierten Vereinsleben

Der Kern von Jähnes Vision unterscheidet sich deutlich vom reinen Werkstattsport: „Ich will, dass richtige Fußballvereine eine eigene Inklusionssparte aufbauen. Die Menschen mit Handicap sollen fest an die Fußballvereine angedockt sein und das reguläre Vereinsleben bereichern.“ Menschen mit Behinderung sollen im Amateurfußball keine Gäste auf Zeit sein, sondern vollwertige Vereinsmitglieder mit allen Rechten und Möglichkeiten.

Dafür leistet der Inklusionsbeauftragte aktuell viel Überzeugungsarbeit an der Basis. Er startet Umfragen und sucht den direkten Dialog mit den Vereinsverantwortlichen, um Ängste und Barrieren abzubauen. Dabei verweist er auch auf die handfesten Vorteile für die Klubs: Vereine, die sich im Bereich Inklusion engagieren, können auf gezielte Fördertöpfe zugreifen und gewinnen oft neue, treue Mitglieder für die Vereinsfamilie.

Mit einem klaren Stufenplan zur Inklusionsliga 2027/28

Trotz des großen Tatendrangs bleibt Jähne Realist. Statt sofort einen starren Spielbetrieb aus dem Boden zu stampfen, setzt er auf einen methodischen Stufenplan. Die erste Jahreshälfte 2026 hat er intensiv für Bestandsaufnahmen und die Netzwerkbildung genutzt. In der zweiten Jahreshälfte sollen nun erste kleinere Schnupperturniere das Interesse bei den Vereinen wecken. Dieses Übergangsjahr dient dazu, die Vereine unverbindlich an das Thema heranzuführen. Das erklärte Ziel: Zur Saison 2027/28 soll im FLB eine vollwertige, strukturierte Inklusionsliga an den Start gehen.

Der Weg dorthin bedeutet viel Arbeit, da Jähne in Brandenburg echte Pionierarbeit leistet. Unterstützung erhält er dabei von den FLB-Mitarbeitenden in den Kreisen, die den direkten Draht zu den Vereinen halten. Für Jähne ist der Aufwand zweitrangig – ihn treibt die gelebte Praxis an: „Die pure Freude auf dem Platz zu sehen und wie dankbar die Menschen für Dinge sind, die für uns selbstverständlich erscheinen, ist der größte Antrieb. Am Ende geht es bei echter Inklusion nicht um Mitleid, sondern um Normalität und Zugehörigkeit.“

Von Grünberg aus stand ein Besuch auf dem DFB-Campus in Frankfurt auf dem Plan. Foto: DFB/Nico Florow
Eine zusätzliche Freizeit für Kinder nach onkologischer Erkrankung fand in Malente statt. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Der fußballbegeisterte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf besuchte die Fußball-Ferien-Freizeit in Malente. Foto: Martin Ziemer/Getty Images
Der ehemalige Trainer von RB Leipzig Marco Rose war für einen Wertedialog in Leipzig zu Gast. Foto: Jens Schlüter/Getty Images
Ein Besuch im Bundesverfassungsgericht stand bei der Freizeit in Schöneck (Karlsruhe) auf dem Programm. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
U19-Nationaltrainer Hanno Balitsch leitete eine Trainingseinheit in Edenkoben. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
FIFA-Schiedsrichter Harm Osmers gab in Malente Einblicke in das Leben eines Profi-Schiedsrichters. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Neben verschiedenen Ausflügen und Bildungsaktivitäten stand natürlich der Fußball im Mittelpunkt der Freizeiten. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
Von Hennef aus ging es für eine Führung nach Leverkusen in die BayArena – inklusive Gespräch mit dem Geschäftsführer Simon Rolfes. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Insgesamt 1.000 Teilnehmende waren bei den Fußball-Ferien-Freizeiten 2025 dabei. Foto: Klaus Venus/DFB-Stiftung Egidius Braun
Verschiedene Workshops zum Thema Demokratie standen auf dem Programm der Freizeitwochen. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier tauschte sich in einem Wertedialog mit den Teilnehmenden einer Freizeit in Grünberg aus. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
DFB-Präsident Bernd Neuendorf besucht die Fußball-Ferien-Freizeiten in Hennef. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Weißer Pfeil nach oben
Weißer Pfeil nach oben