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Stefan Jähne hat eine klare Mission: Er möchte Menschen mit und ohne Behinderung dauerhaft zusammen auf den Fußballplatz bringen. Seit Juli 2025 ist der 34-Jährige als Inklusionsbeauftragter beim Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) aktiv. Bei einer Tagung der Inklusionsbeauftragten auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main, organisiert durch die DFB-Stiftung Sepp Herberger, tauschte er sich nun mit den anderen Landesverbänden über Best-Practice-Beispiele aus.
Jähne bringt für seine Aufgabe ein starkes Fundament mit: Er arbeitet hauptamtlich beim Behinderten- und Rehabilitationssportverband Brandenburg (BSV Brandenburg), wo er seit 2018 die Abteilung Fußball leitet. Diese Position garantiert ihm tiefe Einblicke in die Bedarfe von Menschen mit Einschränkungen. Der enge Kontakt zum FLB entstand schließlich durch sein zusätzliches Engagement als Trainer der Landesauswahl für Menschen mit geistiger Behinderung.
Blickt man auf die aktuelle Fußballlandschaft in Brandenburg, ist das inklusive Angebot für Menschen mit Handicap bislang sehr überschaubar. „In erster Linie gibt es Werkstattmannschaften, die in einer eigenen Liga spielen“, erklärt Jähne. Diese umfasst zehn Teams, die sich sechs- bis achtmal im Jahr zu Turnieren treffen. Doch das ist dem Funktionär nicht nachhaltig genug. In Frankfurt erlebte er, wie das Thema in anderen Regionen gelebt wird: „Ich war wirklich erstaunt, wie weit fortgeschritten einige Landesverbände schon sind. Ligabetriebe mit regelmäßigen Spieltagen und ein strukturierter Wettkampf existieren in Brandenburg bislang kaum. Das möchte ich ändern.“
Das Ziel: Feste Inklusionssparten im organisierten Vereinsleben
Der Kern von Jähnes Vision unterscheidet sich deutlich vom reinen Werkstattsport: „Ich will, dass richtige Fußballvereine eine eigene Inklusionssparte aufbauen. Die Menschen mit Handicap sollen fest an die Fußballvereine angedockt sein und das reguläre Vereinsleben bereichern.“ Menschen mit Behinderung sollen im Amateurfußball keine Gäste auf Zeit sein, sondern vollwertige Vereinsmitglieder mit allen Rechten und Möglichkeiten.
Dafür leistet der Inklusionsbeauftragte aktuell viel Überzeugungsarbeit an der Basis. Er startet Umfragen und sucht den direkten Dialog mit den Vereinsverantwortlichen, um Ängste und Barrieren abzubauen. Dabei verweist er auch auf die handfesten Vorteile für die Klubs: Vereine, die sich im Bereich Inklusion engagieren, können auf gezielte Fördertöpfe zugreifen und gewinnen oft neue, treue Mitglieder für die Vereinsfamilie.
Mit einem klaren Stufenplan zur Inklusionsliga 2027/28
Trotz des großen Tatendrangs bleibt Jähne Realist. Statt sofort einen starren Spielbetrieb aus dem Boden zu stampfen, setzt er auf einen methodischen Stufenplan. Die erste Jahreshälfte 2026 hat er intensiv für Bestandsaufnahmen und die Netzwerkbildung genutzt. In der zweiten Jahreshälfte sollen nun erste kleinere Schnupperturniere das Interesse bei den Vereinen wecken. Dieses Übergangsjahr dient dazu, die Vereine unverbindlich an das Thema heranzuführen. Das erklärte Ziel: Zur Saison 2027/28 soll im FLB eine vollwertige, strukturierte Inklusionsliga an den Start gehen.
Der Weg dorthin bedeutet viel Arbeit, da Jähne in Brandenburg echte Pionierarbeit leistet. Unterstützung erhält er dabei von den FLB-Mitarbeitenden in den Kreisen, die den direkten Draht zu den Vereinen halten. Für Jähne ist der Aufwand zweitrangig – ihn treibt die gelebte Praxis an: „Die pure Freude auf dem Platz zu sehen und wie dankbar die Menschen für Dinge sind, die für uns selbstverständlich erscheinen, ist der größte Antrieb. Am Ende geht es bei echter Inklusion nicht um Mitleid, sondern um Normalität und Zugehörigkeit.“