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Fünf Tage voller Impulse und intensiver Gespräche: Tami Brandes war eine von 19 jungen Ehrenamtlichen, die sich bei der diesjährigen Egidius-Braun-Akademie in der Sportschule Grünberg trafen. Die DFB-Stiftung Egidius Braun bietet engagierten Talenten von der Vereinsbasis hier eine Plattform, um ihr Wissen zu vertiefen, Netzwerke zu knüpfen und frische Ideen mit in die Heimat zu nehmen.
Für die 30-Jährige drehte sich in der Akademie alles um die Frage, wie die Zukunft des Breitensports erfolgreich gestaltet werden kann. Brandes bringt dafür die perfekte Praxis mit: Seit zwei Jahrzehnten schnürt sie selbst die Fußballschuhe für den TSV Hillerse im Niedersächsischen Fußballverband (NFV) und lenkt im Hintergrund die administrativen Geschicke zweier Vereine – sowohl bei ihrem Stammverein als auch beim JFV Kickers, dem dazugehörigen Jugendförderverein.
Wer Brandes nach ihren Aufgaben fragt, merkt schnell, dass ihr Herz für die Organisation schlägt. Ihr Weg begann 2019 als stellvertretende Kassenwartin beim TSV Hillerse. „Mit der Mitgliederverwaltung hat das angefangen“, erzählt sie. „Das waren meine ersten Berührungspunkte mit dem Ehrenamt.“ Nur ein Jahr später folgte der Ruf des JFV Kickers, wo sie die Kassenführung übernahm. „Eine Trainerposition war für mich eigentlich nie so denkbar“, sagt sie offen. „Aber in der Verwaltung, im Finanziellen – das liegt mir einfach.“
Mittlerweile steuert sie die gesamten Finanzen des Jugendvereins, verantwortet die Budgetplanung und bespielt die Social-Media-Kanäle. Seit dem 1. Mai hat sie ihr Engagement sogar zum (Neben-)Beruf gemacht: Als Freiwilligenmanagerin auf Minijob-Basis kümmert sie sich um die Gewinnung und Bindung ehrenamtlicher Kräfte. Das Fundament dafür bringt sie als Verwaltungsfachwirtin und durch ihre absolvierte Vereinsmanager-C-Lizenz von Haus aus mit.
Finanzen, Fokus und das Glück der Kinder
Die Motivation für den enormen Zeiteinsatz ist für Brandes reine Herzenssache: „Ich finde es einfach toll, wenn man was zurückgeben kann. Ich habe jahrelang selbst Fußball gespielt, und da hat sich ja auch immer jemand um alles gekümmert im Hintergrund. Jetzt übernehme ich gerne diese Aufgabe.“ Belohnt wird die Arbeit im Hintergrund vor allem durch die Jüngsten: „Man schafft ein Angebot, das andere glücklich macht. Das überwiegt am Ende immer.“
Neben dem sportlichen Alltag schätzt sie das Vereinsleben als sozialen Klebstoff in der Region. „Ehrenamt verbindet“, betont Brandes. „Man denkt immer, es kostet nur Zeit und Nerven. Aber irgendwie ist es dann doch auch das, was einen zusammenbringt.“
Blick über den Tellerrand des eigenen Fußballkreises
Neue Energie für diese Aufgaben gab es nun in Grünberg. Die Teilnehmenden im Alter von 18 bis 30 Jahren erlebten ein straffes Programm aus Sportpraxis, Fachvorträgen und einem Ausflug zum DFB-Campus nach Frankfurt. Für Brandes ging es dabei vor allem um den wertvollen Austausch: „Es war wirklich interessant, mal über den eigenen Kreis hinaus Leute zu treffen, die sich genauso engagieren“, erzählt sie.
Als älteste Teilnehmerin der Gruppe war sie tief beeindruckt von der Leidenschaft der jüngeren Engagierten. Die Erkenntnis, dass die Probleme an der Basis überall ähnlich gelagert sind, schweißte die Gruppe schnell zusammen. Über Social Media bleibt das neu geknüpfte Netzwerk weit über die gemeinsame Woche hinaus aktiv und dient als dauerhafter Ideengeber.
20 Jahre Fußball – und kein Ende in Sicht
Dass Fußball für Brandes längst mehr als reiner Sport ist, zeigt sich auch abseits des Funktionärswesens. Es ist Heimat, Routine und gelebte Gemeinschaft. Die nächste Mannschaftsfahrt nach Düsseldorf steht kurz bevor – das genaue Programm ist zwar noch geheim, aber dass sie mittendrin dabei ist, versteht sich von selbst.
Wie wichtig ihr der Zusammenhalt ist, zeigt auch das aktuelle sportliche Kapitel auf dem Rasen: Ihre Frauenmannschaft schlägt in dieser Saison in der Bezirksliga auf – nach einem bewussten, freiwilligen Rückzug aus der Landesliga, um kürzere Fahrtwege zu haben und das Teamgefüge zu schützen. Es sind Entscheidungen für das, was im Amateursport wirklich zählt. Nicht laut, nicht spektakulär, aber mit einer Verlässlichkeit und einer Vereinstreue, die das Fundament des Vereinslebens bilden.
Die fünf Tage in der Sportschule Grünberg sieht Brandes als absoluten Gewinn. Die mitgenommenen Perspektiven und das bundesweite Netzwerk fließen ab sofort direkt in ihre tägliche Arbeit als Freiwilligenmanagerin in Hillerse ein – ein echtes Plus für die Weiterentwicklung des Fußballs vor Ort.