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Am letzten Juni-Wochenende hieß es bereits zum dritten Mal „Von den Profis lernen“. Wie schon in den beiden Vorjahren luden die Top-Referees Deutschlands im Rahmen des Fonds der DFB-Elite-Schiedsrichter*innen Unparteiische aus ganz Deutschland zu einem Besuch auf dem DFB-Campus ein, um dort mit ihnen an ihrer Entwicklung zu feilen und einmal wie Profis zu trainieren.
Der diesjährige Campus-Besuch der Veranstaltung „Profi wird Coach“, bei deren Organisation die DFB-Schiedsrichter von der DFB-Stiftung Egidius Braun tatkräftig unterstützt werden, stand unter dem Thema „Deutschlands jüngste Schiris“. Hierfür hatte jeder Landesverband die Möglichkeit, einen Schiedsrichter oder eine Schiedsrichterin im Alter von 13 bis 16 Jahren zu nominieren. „Wir wollten bei dieser Ausgabe noch recht unerfahrene Schiedsrichter*innen aus allen Landesverbänden einladen, denen wir die vielen positiven, aber auch die negativen Begleiterscheinungen einer Schiri-Karriere erklären können. Ihnen wollen wir mit diesem Lehrgang Strategien aufzeigen, wie sie damit umgehen können“, sagte Daniel Siebert, diesjähriger Lehrgangsleiter.
Am Ende dieses Auswahlprozesses und mit Beginn des Lehrgangs betraten 21 Schiedsrichter*innen mit leuchtenden Augen den Boulevard des DFB-Campus, um dort von niemand Geringerem als dem diesjährigen Champions-League-Final-Schiedsrichter Siebert sowie von Sina Gieringer, Schiedsrichterin der 2. Frauen-Bundesliga, in Empfang genommen zu werden. Beide führten durch die insgesamt dreitägige Veranstaltung.

Praxisnahe Einblicke und Bundesliga-Training in der Halle
Doch damit nicht genug: Auf die 21 Amateur-Schiris warteten einige weitere Highlights. So begann der Workshop am Freitagnachmittag mit einer Campus-Führung und einem ersten spielerischen Kennenlernen, bei dem die Schiris mit neuen Schiri-Trainingsshirts von adidas ausgestattet wurden. Schnell war den Teilnehmer*innen anzumerken, dass sie eine gemeinsame Leidenschaft teilen. Es wurden früh fleißig Kontakte geknüpft, sich ausgetauscht und über die Schiedsrichterei philosophiert.
Die erste echte Theoriestunde hatte dann Richard Hempel, künftig Bundesliga-Schiedsrichter, im Gepäck. Der 28-Jährige bewies auf eindrucksvolle und humorvolle Art und Weise, dass die Themen Reflexion und Selbstwirksamkeit nicht nur wichtig für Schiris und ihre Entwicklung sind, er wusste es auch interessant zu vermitteln. Selfies im Anschluss durften natürlich nicht fehlen! Abgerundet wurde der erste Tag mit dem Gemeinsamen Verfolgen des WM-Spiels Frankreich gegen Norwegen.
Dass die Jungschiedsrichter mit frühem Aufstehen (noch) keine Probleme haben, zeigten die wissbegierigen Kinder am nächsten Morgen. Voll auf der Höhe und diskussionsfreudig folgten sie den Tipps von Daniel Siebert zum Thema „Grobes Foulspiel“, ehe sie im Anschluss erstmals nicht nur aufgrund der heißen Temperaturen ordentlich ins Schwitzen kamen.
Felix Prigan, Schiedsrichter in der 2. Bundesliga, bat die Gruppe zur Trainingseinheit in der Sporthalle. Spiel und Spaß kamen zwar nicht zu kurz, es wurde jedoch auch ordentlich an der Kondition gearbeitet. „Das sind Einheiten, wie wir sie auch in der Bundesliga kennen“, erklärte Siebert im Anschluss und gab ebenso wie Prigan Tipps für die persönliche Trainingsarbeit. Dass alle mitgezogen hatten, wunderte niemanden. „Alle Teilnehmer*innen sind motiviert, diszipliniert und kollegial. Gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schiedsrichter“, beschrieb Siebert die Gruppe.

Wertvolle Impulse für die Schiri-Basis
Weitere Programmpunkte waren Workshops zu den Themen „Anforderungen an einen Elite-Schiri“, „Gewaltprävention“ mit Theresa Hoffmann sowie Persönlichkeitsschulungen. Abgerundet wurde das Programm von einem Fußballturnier und Regenerationstrainings, ehe die 21 Schiedsrichter*innen am Sonntagmittag mit vielen neuen Eindrücken und einer Urkunde in der Hand die Heimreise antraten.
Ludwig Bruns, Schiedsrichter im sächsischen Landesverband und einer der Auserwählten dieses Jahrgangs, zog ein positives Fazit: „Mir haben die vielen interessanten Eindrücke gefallen, die uns die Profi-Schiedsrichter gegeben haben sowie das Training mit Felix Prigan. Das sind Reize und Tipps, die uns hier mitgegeben wurden, die ich in Zukunft anwenden möchte.“ Insbesondere die Trainingseinheiten haben es dem 15-jährigen Unparteiischen angetan. „Diese Übungen möchte ich in mein Training integrieren, da habe ich jetzt einfach einen viel breiteren Horizont an Möglichkeiten gewonnen, was man machen kann.“

Ein wichtiges Signal an die gesamte Schiedsrichter-Familie
„Diese Gruppe war richtig, richtig gut“, schwärmte Siebert im Anschluss an den Lehrgang. „Ein Lob an jeden Landesverband für die Auswahl dieser Teilnehmer. Es hat uns allen richtig Spaß gemacht, diese drei intensiven Tage am DFB-Campus zu absolvieren.“
Siebert möchte diese Arbeit gerne fortsetzen und wirbt dabei weiter um die Unterstützung seiner Kolleg*innen: „Das Funkeln der Augen in jeder Einheit sowie das ausschließlich positive Feedback der Teilnehmer*innen zeigen mir persönlich: Der ganze Aufwand lohnt sich total! Daher hoffe ich, dass auch zukünftig meine Kollegen*innen im Profibereich bereit sind, Spenden für unsere Projekte des Elite-Schiri-Fonds zu leisten, denn ohne geht es nicht weiter.“
Mit dem Format „Profi wird Coach“ gibt man jedes Jahr Amateur-Schiedsrichter*innen die Chance, einmal unter professionellen Bedingungen zu trainieren und sich Tipps und Tricks von denen zu holen, die in vielen Fällen ihre Vorbilder sind. Ehrensache für Sina Gieringer: „Wenn man lange dabei ist, dann ist man irgendwann an einem Punkt, da möchte man auch etwas zurückgeben. Wenn man dann mit so viel Herzblut dabei ist und so junge, engagierte Leute bei diesem Lehrgang vorfindet, dann macht es noch viel mehr Spaß!“
Das Projekt „Profi wird Coach“ ist viel mehr als ein einfacher Lehrgang für ein paar auserwählte Amateur-Schiris: „Wir Elite-Schiedsrichter senden damit auch das Signal an alle Landesverbände: Wir versuchen euch zu unterstützen und etwas zurückzugeben. Die gesamte Schiedsrichter*innen-Familie soll wachsen und sich in schwierigen Zeiten weiter unterstützen“, erklärte Siebert. Von Schiedsrichter*innen für Schiedsrichter*innen: Auch bei der diesjährigen Ausgabe zeigte sich einmal mehr, wie sehr die Leidenschaft für eine Sache zusammenschweißen kann und dass auch die Profis das eine oder andere von der Basis mitnehmen können.