24.9.2026

„Ehrenhaftes und notwendiges Erinnern“ – Charlotte Knobloch eröffnet „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ in München

Vertikale Stolpersteine auf dem Wittelsbacherplatz im Herzen von München – Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern K.d.ö.R. eröffnet und würdigt die seit mehr als zehn Jahren in Deutschland gezeigte Outdoor-Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“. Gerade in dieser Zeit sind die 17 deutsch-jüdischen Sportstars, ihr Leben und Leiden ein ehrenvolles und notwendiges Zeichen der Erinnerung.

Dr. Henry Wahlig, Olliver Tietz, Dr. h. c. Charlotte Knobloch und Verena Dietl (v. l. n. r.) betonen die Wichtigkeit des Erinnerns bei der Eröffnung der Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ in München.

Sie sind nicht zu übersehen – und das nicht nur an diesem strahlend schönen Spätsommertag zwischen den prächtigen klassizistischen Fassaden, die das Reiterstandbild für Kurfürst Maximilian I. einrahmen: 15 lebensgroße, in schwarz-weiß abgebildete Figuren. Durch ihre Kleidung und Haltung sofort als Sportlerinnen und Sportler erkennbar. Einmal aufmerksam geworden und näher herangegangen, erkennt man schnell die historischen Persönlichkeiten wie Eishockeyspieler Rudolf „Rudi“ Ball, Basketballer Ralph Klein, Leichtathletin Gretel Bergmann, Boxer Erich Seelig oder Fußballer Julius „Juller“ Hirsch.

Sie alle sind Sportlerinnen und Sportler jüdischen Glaubens, die in den Jahren bis 1933 und danach ihre Sportarten prägten, herausragende Leistungen erzielten und Titel gewannen. In Nationalmannschaften, bei Welt- oder Europameisterschaften, mit Olympiasiegen und Rekorden zählten sie zu den gefeierten Idolen ihrer Zeit. Nur aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurden sie im NS-Staat ausgegrenzt, entrechtet, zur Flucht gedrängt oder ermordet.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung hoben Verena Dietl, Dritte Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, und Charlotte Knobloch die Bedeutung des Erinnerns, die Rolle des Sports und vor allem die gesellschaftliche und politische Botschaft der Ausstellung hervor: „Schicksale wie die von Julius Hirsch oder Lilli Hennoch, der Gebrüder Baruch oder Flatow, die allesamt ermordet wurden,“ so Knobloch, „zeigen die Abgründe, in die dieses Land sich stürzte – und die Barbarei, mit der es gegenüber denen wütete, die es kurz zuvor noch verehrt hatte.“ Mit Blick auf die Gegenwart mahnt sie, wie wichtig das Erinnern an diese Verbrechen sei. Das machen „mit alarmierender Klarheit die Wahlergebnisse und öffentliche Debatten deutlich. Beide zeigen schmerzlich“, so Knobloch, die vor Kurzem selbst Morddrohungen erhielt, „dass ein Teil der Menschen in diesem Land nicht bereit ist, die erwähnte Verantwortung zu übernehmen. Das aber bringt nur scheinbar Erleichterung – denn die Vergangenheit ist dadurch nicht überwunden.“

Umso wichtiger sind Zeichen wie die Ausstellung, was sowohl Olliver Tietz, Geschäftsführer der DFB-Kulturstiftung, als auch Dr. Henry Wahlig, Leiter des Kultur- und Veranstaltungsprogrammes im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, betonen. Sie gehören zu den Ausstellungsinitiatoren. 2015 konzipierte die DFB-Kulturstiftung gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien die Outdoor-Ausstellung, die seit ihrer Premiere vor dem Berliner Hauptbahnhof auf Deutschlandtournee ist: auf großen öffentlichen Plätzen, in Einkaufsstraßen, vor Bahnhöfen oder vor kulturellen Institutionen. Und das mit großem Erfolg und beeindruckender Reichweite: An inzwischen 60 Stationen in allen Bundesländern haben (konservativ geschätzt) zwischen einer halben bis einer Millionen Besucherinnen und Besucher die Ausstellung gesehen. 

Der Sport, insbesondere der Fußball, so Tietz und Wahlig, sei doppelt wichtig für die Erinnerungskultur: einerseits durch seine enorme Reichweite und Breitenwirkung, andererseits aufgrund seiner historischen Verantwortung. Sportvereine gehörten im Frühjahr 1933 zu den ersten Institutionen, die ohne nennenswerte Gegenwehr ihre jüdischen Mitglieder der Ausgrenzung und Verfolgung preisgaben – und das, obwohl diese zu den prägendsten Persönlichkeiten ihrer Sportarten zählten.

Die ausführlichen Biografien der Sportlerinnen und Sportler sind über QR-Codes mit den Ausstellungsfiguren verbunden und auf dieser Webpage zu finden. Die Ausstellung ist noch bis zum 23. Oktober kostenlos auf dem Wittelsbacherplatz zu sehen. Ein Projekt des Zentrums deutsche Sportgeschichte e. V. mit wechselnden Partnern; gefördert durch die DFB-Kulturstiftung, den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und das Staatsministerium für Sport und Ehrenamt.

Von Grünberg aus stand ein Besuch auf dem DFB-Campus in Frankfurt auf dem Plan. Foto: DFB/Nico Florow
Eine zusätzliche Freizeit für Kinder nach onkologischer Erkrankung fand in Malente statt. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
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Ein Besuch im Bundesverfassungsgericht stand bei der Freizeit in Schöneck (Karlsruhe) auf dem Programm. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
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Insgesamt 1.000 Teilnehmende waren bei den Fußball-Ferien-Freizeiten 2025 dabei. Foto: Klaus Venus/DFB-Stiftung Egidius Braun
Verschiedene Workshops zum Thema Demokratie standen auf dem Programm der Freizeitwochen. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier tauschte sich in einem Wertedialog mit den Teilnehmenden einer Freizeit in Grünberg aus. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
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