
.png)
Aggressionen auf den Rängen, Konflikte am Spielfeldrand und Anfeindungen gegen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter: Gewalt gehört zu den drängenden Herausforderungen im Sport und in unserer Gesellschaft. Mit diesem Thema beschäftigte sich am Montagabend die Podiumsdiskussion „Spielfeld der Aggressionen? – Gewalt in Stadion und Gesellschaft“ der Daniel Nivel-Stiftung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.
Fünf Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen diskutierten in der von kicker-Redakteur Patrick Kleinmann moderierten Runde über aktuelle Gewaltentwicklungen im Profi- sowie Amateurfußball. Dr. Thaya Vester, Gewalt- und Fanforscherin an der Universität Tübingen, brachte ihre wissenschaftliche Expertise in die Diskussion mit ein. Aus Schiedsrichtersicht berichtete FIFA-Referee Harm Osmers über seine Erfahrungen aus dem Profi-Fußball sowie aus dem Amateurbereich. Der 41-Jährige ist im Kreisschiedsrichterausschuss Hannover aktiv. Polizist Michael Madre leitet die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze. Er gab Einblicke aus der Perspektive der Sicherheitsbehörden. Die Sicht der Fans und der Vereine wurde durch Ralf Schuh vertreten, der als Fanbeauftragter von Rot-Weiß Essen die Herausforderungen zwischen Fanszenen und den Fußballklubs mit dem Thema Gewalt verdeutlichte.
.jpg)
Gewaltforscherin Vester: „Vernünftige werden oft abgeschreckt“
Thaya Vester machte auf ein Grundproblem des Fußballsports in Zusammenhang mit Gewalt aufmerksam: „Gewaltaffine Personen können vom Fußball angezogen werden, weil sie hier einen Bereich sehen, in dem sie ihre Gewaltaffinität potenziell ausleben können. Gleichzeitig werden die eher friedlichen und vernünftigeren Personen oft abgeschreckt von den Gewaltbildern, die sich im Fußball zeigen.“ Die Gewaltforscherin sieht hier vor allem die Fußballklubs in der Verantwortung, die ein friedliches Miteinander zwischen vermeintlich verfeindeten Vereinen außerhalb des Platzes in der Vorberichterstattung vorleben könnten, um das Gewaltpotenzial in den Fangruppierungen zu verringern. Zudem haben die Profi-Vereine auch immer eine Vorbildfunktion für den Amateursport.
Bundesliga-Schiedsrichter Harm Osmers wies auf das Nachwuchsproblem bei Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern hin, das unter anderem auch in Gewalt gegenüber den Unparteiischen gründet. „Der Job als Schiedsrichterin oder Schiedsrichter ist grundsätzlich eine schöne Aufgabe, da sie herausfordernd ist und man hier die Chance bekommt, sich zu beweisen. Dennoch kommt es leider im Amateursport immer wieder dazu, dass Spielerinnen und Spieler sowie Zuschauerinnen und Zuschauer Grenzen nicht einhalten.“
Michael Madre: „Wir dürfen nicht müde werden, präventiv zu wirken!“
Besonders im Profi-Sport sehen Michael Madre und Ralf Schuh Lösungsansätze für die Gewaltprobleme in und zwischen den Fanszenen vor allem in der Kommunikation und der Prävention: „Wir dürfen nicht müde werden, präventiv zu wirken. Das Entscheidende ist, dass man potenzielle Gewalttäter schon vorab erkennt und Präventionsarbeit leistet. Hier sollten die Klubs noch mehr in die Verantwortung genommen werden.“

Die Podiumsdiskussion regte zu zahlreichen Fragen und Wortbeiträgen aus dem Publikum an.
Organisiert wurde die Gesprächsrunde von der Daniel Nivel-Stiftung, die im Jahr 2000 durch den DFB, die FIFA und die UEFA zur Förderung von Kriminalprävention ins Leben gerufen wurde. Die Stiftung setzt sich aktiv gegen jede Form von Gewalt auf und neben dem Fußballfeld ein. Ein Schwerpunkt liegt zum Beispiel auf der Förderung des Dialogs zwischen Fußballfans und der Polizei. Seit dem Jahr 2024 agiert die Daniel-Nivel-Stiftung als Treuhandstiftung unter dem Dach der DFB-Stiftung Egidius Braun. Vor Ort wurde die Stiftung unter anderem durch DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert vertreten.
Daniel Nivel ist ein ehemaliger französischer Gendarm, der im Umfeld eines Spiels der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Lens von deutschen Hooligans angegriffen und lebensgefährlich verletzt wurde. Er leidet bis heute unter den Folgen der Tat.