5.10.2026

„Ich bin Fußballer durch und durch“: Jonas Lappe zwischen Meistertitel und WM

Mit dem KFC Uerdingen hat Jonas Lappe die deutsche Meisterschaft im Amputierten-Fußball gewonnen. Im November wartet die Weltmeisterschaft in Mexiko. Der 22-Jährige möchte, dass dabei vor allem der Sport im Mittelpunkt steht.

Wer Jonas Lappe eine einfache Frage stellt, bekommt eine klare Antwort. Wie wichtig ist Fußball für ihn? „Super wichtig. Ich bin Fußballer durch und durch. Ich liebe diesen Sport.“ Das klingt zunächst nicht außergewöhnlich. Besonders ist aber, dass Lappe nach der Amputation seines linken Beins Fußball spielt. Als er zwei Jahre alt war, musste ihm das Bein wegen eines Tumors im Oberschenkel abgenommen werden.

„Ich kenne es nicht anders, als mit einem Bein zu leben“, sagt er. Die Amputation ist für Lappe kein plötzlicher Einschnitt, an den er sich erinnert, sondern Teil seiner Lebensgeschichte, seit er denken kann. „Für mich war deshalb schon immer klar, dass ich mein Leben leben möchte, so wie jeder andere Mensch auch. Ich bin in den Kindergarten gegangen, in die Grundschule, in die weiterführende Schule und jetzt studiere ich an der Deutschen Sporthochschule Köln. Meine Voraussetzungen sind vielleicht etwas speziell, aber mein Weg ist ganz normal.“

Der 22-Jährige zeigt vollen Einsatz am Ball.

Für ihn war deshalb auch klar, dass er Fußball spielen würde. Warum auch nicht? Seine Freunde spielten schließlich ebenfalls. Beim SV 21 Büren im Fußball- und Leichtathletik-Verband stand Lappe mit einer Prothese bis zur A-Jugend im Tor. Dass er mit einer Prothese spielte, war im Team kein besonderes Thema – es gehörte einfach dazu. Zwölf Jahre lang blieb er mit vielen seiner Mitspieler zusammen. Aus dem Team wurden Freunde und aus dem Fußball ein Ort, an dem er nicht erst erklären musste, warum er dazugehört.

Mit Krücken auf Titelkurs

Als das Spieltempo zunahm und es für Lappe schwieriger wurde, mitzuhalten, wuchs sein Interesse am Amputierten-Fußball. Sein Weg führte ihn zunächst zu Fortuna Düsseldorf und seit dieser Saison zum KFC Uerdingen. Mit großem Erfolg: Für Lappe ist es bereits der dritte deutsche Meistertitel. Für den Verein aus Krefeld ist der Titel eine Premiere. Außerdem ist Lappe Kapitän der Nationalmannschaft im Amputierten-Fußball, die im November bei der Weltmeisterschaft in Mexiko antritt.

„Ich bin glücklich darüber, mich für den Amputierten-Fußball entschieden zu haben“, sagt der Sportstudent. „Da spiele ich mit Menschen zusammen, die ähnliche körperliche Voraussetzungen haben wie ich. Durch meinen Schritt in die Nationalmannschaft habe ich zudem bereits die Möglichkeit gehabt, die Welt zu bereisen. Das wäre sonst sicher in dieser Form nicht möglich gewesen. Jetzt freuen wir uns alle riesig auf die Weltmeisterschaft. Das wird das nächste Abenteuer.“

Im Amputierten-Fußball spielen die Feldspieler ohne Prothese, auf Krücken und mit dem verbliebenen Bein. Gespielt wird im kleineren Format, sechs gegen sechs. Die Bundesliga besteht in ihrer heutigen Form seit 2021 und umfasst derzeit vier Mannschaften: Anpfiff Hoffenheim, den KFC Uerdingen, den 1. FSV Mainz 05 und den Hamburger SV. An mehreren Spieltagen treffen die Teams aufeinander und ermitteln den deutschen Meister. In diesem Jahr durfte der KFC Uerdingen über den Titel jubeln.

Mit der Nationalmannschaft wartet nun die Weltmeisterschaft.

„Mitleid ist der falsche Weg“

Ein Punkt ist Lappe besonders wichtig: Er möchte, dass Amputierten-Fußball als Sport wahrgenommen wird – und nicht vor allem über persönliche Schicksale. Wenn einzelne Geschichten zu stark in den Mittelpunkt rückten, bestehe die Gefahr, dass daraus eine Erzählung des Mitleids werde. Das sei nicht das Bild, das er vermitteln wolle: „Mir geht es darum, unseren Sport langfristig weiterzuentwickeln und mehr Menschen dafür zu interessieren.“ Mitleid, davon ist Lappe überzeugt, sei dafür der falsche Weg.

Die nächste Herausforderung wartet in Mexiko

Nach dem deutschen Meistertitel richtet sich Lappes Blick nun auf die Weltmeisterschaft. Das Turnier findet vom 13. bis zum 22. November in Mexiko statt. Bei der letzten WM vor vier Jahren belegte die deutsche Mannschaft den letzten Platz. Diesmal will sie sich verbessern. Lappe sieht Deutschland allerdings als Außenseiter: Andere Nationen seien im Amputierten-Fußball deutlich weiter. Besonders stark ist die Türkei, amtierender Europa- und Weltmeister.

„Unser erstes Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen. Aber schon das wird eine echte Herausforderung, weil das Los es nicht wirklich gut mit uns gemeint hat“, sagt Lappe. Deutschland trifft auf Brasilien, Japan und die Ukraine. Die beiden bestplatzierten Teams jeder der sechs Gruppen kommen weiter, dazu die vier besten Gruppendritten.

Der Meistertitel mit Uerdingen ist gefeiert; in Mexiko wartet die nächste sportliche Bewährungsprobe. Dort will Lappe mit der Nationalmannschaft für positive Schlagzeilen sorgen – und so dazu beitragen, dass der Amputierten-Fußball die Aufmerksamkeit bekommt, die er sich wünscht: für das, was auf dem Platz passiert.

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