25.6.2026

Inklusion im Fußball: Der Trainerjob wurde zum Wegbereiter der persönlichen Entwicklung

Eine 30-köpfige Gruppe ehrenamtlich engagierter Menschen verbrachte auf Einladung der DFB-Stiftungen Egidius Braun und Sepp Herberger sowie der Stiftung der Nationalmannschaft im Vorfeld des 83. DFB-Pokalfinales einige Tage in Berlin. Dort erlebten die Teilnehmenden im Rahmen der bundesweiten Mitmachaktion „Der Ehrentag“ ein abwechslungsreiches Programm – mit dabei war auch Dominik Palme aus München. 

Seine Begeisterung für den Fußball hat dem 26-jährigen Dominik Palme schon so manche Tür geöffnet. Das kann der Münchner trotz seines jungen Alters mit Gewissheit sagen. Dabei wollte sich ihm die Tür zum Fußball zunächst nicht recht öffnen – jedenfalls nicht jene, die zum gewohnten Vereinssport führt. Aufgrund der angeborenen Muskel- und Gelenkerkrankung AMC ist sein Körper weniger belastbar, „Ich habe zwar auf dem Spielplatz mit anderen Jungs gekickt, aber es war nie eine Option, regulär Fußball zu spielen. Dabei habe ich diesen Sport immer geliebt“, erklärt er.

Palme konnte seine Begeisterung also nicht wirklich ausleben – bis eine Zeitungsannonce alles änderte. „Meine Eltern haben zufällig gelesen, dass es in Aubing, einem Münchner Stadtteil, eine Inklusionsmannschaft gibt, die noch Mitspieler sucht“, schaut er zurück. Diese Information erwies sich als Wendemarke im Leben des damals zehnjährigen Jungen. Er packte seine Sportsachen und fuhr mit seinem Vater zum nächsten Training des Teams. „Da hat es sofort gefunkt“, sagt er. Palme war Feuer und Flamme für die Mannschaft um den engagierten Coach Burle Ahrens und bestritt fortan sonntagsmorgens die Einheiten mit der Mannschaft. Hinzu kamen Fahrten zu Spielen und Turnieren. „Ich war von Anfang an mit großem Eifer dabei“, erklärt er. Das Herz schlägt seitdem unvermindert für den Sport, das Team, die Gemeinschaft. Lediglich der Takt hat sich zwischenzeitlich ein wenig geändert.

Als 16-Jähriger eine Trainerausbildung absolviert

Es war 2016, als ihn sein Trainer fragte, ob er Interesse daran habe, eine Inklusionstrainerausbildung zu machen. „Ich habe erst gezögert, dann aber zugesagt und über die Scort Foundation eine Tandem Young Coach-Ausbildung absolviert“, so der Münchner. An der Seite einer Spielerin ohne Handicap erwarb er in Bremen und Basel die nötigen Kenntnisse, um ein Inklusionsteam zu coachen – sein Inklusionsteam. „Von da an konnte ich unseren Trainer unterstützen, zwischenzeitlich für ihn einspringen und so dafür sorgen, dass das Training nicht mehr abgesagt werden musste, wenn er mal keine Zeit hatte“, erläutert Palme. Ein Gewinn für das Team sei das gewesen, sagt er. Und vielleicht ein noch größerer für ihn selbst.

Aus dem Teenager, der manchmal nicht recht wusste, wer er eigentlich war oder sein wollte, der zeitweilig unsicher war, wurde ein selbstbewusster junger Mann, mit klaren Zielen und Ambitionen. „Trainer zu sein, für andere Verantwortung zu übernehmen und mir etwas zuzutrauen, hat mich als Persönlichkeit weitergebracht. Ich habe Durchsetzungsvermögen erlangt, denn das braucht man im Fußball als einem emotionalen Sport“, ist er überzeugt. 

Ein unvergessliches Wochenende für alle Beteiligten (Foto: Gerald Matzka/picture-alliance/DFB)

Wertvolle Erfahrungen gesammelt

Die Tugenden, die er sich an der Seitenlinie aneignete, erwiesen sich immer wieder als wertvoll. „Ich habe viel gelernt. Vor allem, dass auch ich eine Stimme habe, auf die Menschen hören und dass auch ich Dinge anstoßen kann, für die andere dankbar sind und für die sie mich als Menschen schätzen“, betont er. Ohne diese Erkenntnis wäre sein Leben ein anderes. „Ich wäre wohl niemals mit 18 Jahren ausgezogen, um in Friedrichshafen ein Duales Studium zu beginnen“, blickt er auf die eigene Vergangenheit.

Inzwischen ist er nach drei Jahren am Bodensee zurück in der bayerischen Landeshauptstadt und hat als Projektmanager bei Airbus einen erfüllenden Job gefunden. Fußball spielt der 1860 München-Fan immer noch. Und immer noch coacht er sein Inklusionsteam, das dem SV Aubing angehört. Im Kern sei die Gruppe einstiger Kinder zusammengeblieben. Ein bunter Haufen Fußballbegeisterter Menschen. „Egal, ob jemand Epilepsie, Downsyndrom oder ein anderes Handicap hat, Hauptsache man hat Spaß am Kicken. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert“, sagt Palme. Selbst die Eltern der Spieler kämen noch regelmäßig vorbei, weil längst Freundschaften entstanden seien.

Eine neue Perspektive auf den Fußball und das Team

Geändert hat sich lediglich Palmes Perspektive. Inzwischen stößt er Entwicklungen an, beobachtet, wie einst schüchterne Mitspieler zu selbstbewussten Menschen geworden sind, die die Welt erkunden, studieren oder tolle Jobs stemmen. „Ich glaube, der Fußball gibt Menschen die Möglichkeit, zu verstehen, was sie eigentlich leisten können. Das ist superschön“, erklärt der junge Mann, der als Coach gerne ein bisschen pusht und anschiebt, aber wenn nötig auch Ruhe ausstrahlt. Letzteres hat er sich von seinem Trainer Burle Ahrens abgeschaut. „Seine Art aufzutreten, immer ruhig zu bleiben, hat mich als eher leidenschaftlicher Mensch, stets fasziniert“, betont der Münchner, der Woche für Woche rund fünf Stunden ins Coaching, Vorbereitungen und die Organisation von Touren mit dem Team steckt.

Nun beim Ehrendank-Event in Berlin dabei gewesen zu sein, andere 29 Menschen getroffen zu haben, die sich mit derselben Leidenschaft ehrenamtlich engagieren, habe gutgetan, sagt er mit Blick auf die Tage, die er auf Einladung der DFB-Stiftungen Egidius Braun und Sepp Herberger sowie der Stiftung der Nationalmannschaft im Vorfeld des 83. DFB-Pokalfinales der Männer in der Hauptstadt verbrachte, um dort anlässlich des bundesweiten Ehrentages ein abwechslungsreiches Programm mit Workshops, Vorträgen und dem Besuch des DFB-Pokalfinals zu erleben. „Man hört immer, es würden weniger Leute bereit sein, anzupacken. Aber dort habe ich erfahren, dass es weiterhin Menschen gibt, die mit Begeisterung versuchen, Dinge voranzubringen.“ Das habe ihn unglaublich motiviert und im Glauben bestärkt, dass sein Ehrenamt im geliebten Fußball ihm wohl noch einige Türen öffnen kann.

Von Grünberg aus stand ein Besuch auf dem DFB-Campus in Frankfurt auf dem Plan. Foto: DFB/Nico Florow
Eine zusätzliche Freizeit für Kinder nach onkologischer Erkrankung fand in Malente statt. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Der fußballbegeisterte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf besuchte die Fußball-Ferien-Freizeit in Malente. Foto: Martin Ziemer/Getty Images
Der ehemalige Trainer von RB Leipzig Marco Rose war für einen Wertedialog in Leipzig zu Gast. Foto: Jens Schlüter/Getty Images
Ein Besuch im Bundesverfassungsgericht stand bei der Freizeit in Schöneck (Karlsruhe) auf dem Programm. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
U19-Nationaltrainer Hanno Balitsch leitete eine Trainingseinheit in Edenkoben. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
FIFA-Schiedsrichter Harm Osmers gab in Malente Einblicke in das Leben eines Profi-Schiedsrichters. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Neben verschiedenen Ausflügen und Bildungsaktivitäten stand natürlich der Fußball im Mittelpunkt der Freizeiten. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
Von Hennef aus ging es für eine Führung nach Leverkusen in die BayArena – inklusive Gespräch mit dem Geschäftsführer Simon Rolfes. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Insgesamt 1.000 Teilnehmende waren bei den Fußball-Ferien-Freizeiten 2025 dabei. Foto: Klaus Venus/DFB-Stiftung Egidius Braun
Verschiedene Workshops zum Thema Demokratie standen auf dem Programm der Freizeitwochen. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier tauschte sich in einem Wertedialog mit den Teilnehmenden einer Freizeit in Grünberg aus. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
DFB-Präsident Bernd Neuendorf besucht die Fußball-Ferien-Freizeiten in Hennef. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
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