8.9.2026

Julius Hirsch Preis 2026 für die Streetbolzer, Borussia Leer und die Deutsch-Tschechische Fußballschule

Zum 22. Mal verleiht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Julius Hirsch Preis. Nach intensiver Beratung wählte die Jury unter Vorsitz von DFB-Präsident Bernd Neuendorf aus zwölf vorausgewählten Projekten die drei Preistragenden. Geehrt werden die Streetbolzer aus Kassel, der SV Borussia Leer und die Deutsch-Tschechische Fußballschule. Mit dem Julius Hirsch Preis erinnert der DFB seit 2005 an den in Auschwitz ermordeten Nationalspieler. Der Jury gehören elf Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Gesellschaft an. Neben Bernd Neuendorf unter anderem DOSB-Präsident Thomas Weikert, Journalistin Dunja Hayali, DFB-Vizepräsidentin Celia Šašić, Julius Hirschs Urenkelin Julia Hirsch und der ehemalige ghanaisch-deutsche Fußballspieler und „Roots – Against Racism in Sport“-Gründer Otto Addo. 

Der Julius Hirsch Preis „steht für Empathie, Haltung und tatkräftiges Engagement“: DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit Celia Šašić und Julia Hirsch. (Foto: Thomas Böcker/DFB)

Für den Julius Hirsch Preis 2026 haben sich 135 Projekte und Initiativen aus ganz Deutschland beworben. Nur dreimal – in den Jahren der sogenannten Flüchtlingskrise – lag die Zahl der Bewerbungen höher. In seinen einleitenden Worten nahm Bernd Neuendorf darauf Bezug: „Der Julius Hirsch Preis setzt wichtige Impulse – im Fußball ebenso wie in der Zivilgesellschaft. Er steht für Empathie, Haltung und tatkräftiges Engagement. Wir erleben politisch und gesellschaftlich herausfordernde Zeiten. Personen oder Personengruppen werden aus den unterschiedlichsten Gründen herabgewürdigt und ausgegrenzt. Umso wichtiger ist es, Hass und Hetze entschieden entgegenzutreten und sichtbar zu machen, welchen Wert Vielfalt und Teilhabe für unsere Gesellschaft haben. Auch in diesem Jahr haben wir zahlreiche beeindruckende Initiativen und viele Menschen erlebt, die sich in herausragender Weise engagieren und damit wichtige Zeichen setzen. Ihnen allen gilt unser Respekt, unsere Anerkennung und unser großer Dank.“

Erster Preis für die Streetbolzer aus Kassel

Der erste Preis geht an Streetbolzer e. V. Der Verein nutzt Straßenfußball, um insbesondere Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen zusammenzubringen und ihnen Fairness, Toleranz und Eigenverantwortung zu vermitteln. Kostenlose und niedrigschwellige Fußball-, Bildungs- und Kulturangebote fördern eine demokratische Haltung, unterstützen gesellschaftliche Teilhabe und wirken Diskriminierung und Ausgrenzung entgegen. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen sowie inklusive Angebote. Auch Erinnerungskultur und politische Bildung sind zentrale Bestandteile der Arbeit. Seit 18 Jahren setzt das „Kick Rechts weg“ Turnier ein Zeichen gegen Rechtsextremismus. Der „#SayTheirNames“ Cup erinnert seit 2022 an die Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau. Darüber hinaus nimmt der Verein seit 2020 an Gedenkveranstaltungen für die Opfer von Hanau sowie für Walter Lübcke und Halit Yozgat teil. 

Insgesamt erreicht Streetbolzer e. V. mit seinen Angeboten jährlich bis zu 15.000 Kinder und Jugendliche. Bei der inhaltlichen Arbeit und der Ansprache junger Menschen kooperiert der Verein unter anderem mit dem Sportamt Kassel, dem Kulturzentrum Schlachthof, Jugendhilfeeinrichtungen für unbegleitete minderjährige Geflüchtete sowie mit Partnern in Schytomyr in der Ukraine.

Für Journalistin Dunja Hayali erreicht „Streetbolzer sehr viele und vielfältige Zielgruppen. Das breit gefächerte Angebot hat mich beeindruckt. Der Zugang ist niedrigschwellig, die Angebote sind kostenlos, offen und ohne Anmeldung zugänglich. Die Kinder werden unabhängig von einer Vereinszugehörigkeit dort abgeholt, wo sie sind: beim Straßenfußball. Zugleich geht das Engagement mit Workshops, Medienprojekten, Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen weit über den Fußball hinaus.“

Zweiter Preis für den SV Borussia Leer

Den zweiten Preis erhält der SV Borussia Leer e. V. Der Verein verbindet Amateurfußball mit einer klaren Haltung für Toleranz, Weltoffenheit und gesellschaftliche Verantwortung. Er engagiert sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung und macht diese Haltung durch Bildungsveranstaltungen, Ausstellungen und Erinnerungsarbeit sichtbar.

Mit einem Inklusionsteam sowie Angeboten für Geflüchtete und Menschen mit Migrationsgeschichte ermöglicht der Verein gesellschaftliche Teilhabe und stärkt den Zusammenhalt. Dabei arbeitet Borussia Leer mit regionalen und überregionalen Initiativen aus den Bereichen Menschenrechte, Seenotrettung und Erinnerungskultur zusammen.

Im vergangenen Jahr setzte der SV Borussia Leer sein gesellschaftliches Engagement unter anderem mit Lesungen, Vorträgen, einer Ausstellung zur Geschichte der Sinti und Roma, einem Inklusionsturnier sowie öffentlich sichtbaren Zeichen für Solidarität und Vielfalt fort. Mit der neuen Selbsthilfegruppe „Ankerplatz“ schuf der Verein zudem ein regelmäßiges Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen.

„Borussia Leer ist ein progressiver Verein, der auf großartige Weise Haltung zeigt,“ so Julia Zeyn, Koordinationsstelle Fanprojekte. „Er schafft es, ehrenamtliches Engagement, Fußballkultur und den Einsatz der Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu einem gemeinsamen Wertefundament für eine Stadt wie Leer zu verbinden. Besonders beeindruckt hat mich, dass der Verein sich gegen die Abschiebung eines Spielers aus einem benachbarten Verein engagiert hat. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit fällt positiv auf, dass Männer- und Frauenfußball, Inklusionsfußball und gesellschaftspolitische Positionierungen außerhalb des Fußballs gleichrangig dargestellt werden.“

Dritter Preis für die Deutsch-Tschechische Fußballschule

Der dritte Preis geht an die Deutsch-Tschechische Fuballschule e. V. mit Sitz in Rehau (Bayern). Sie bringt seit 2002 Kinder und Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern durch den Fußball zusammen. Ihre Trainingseinheiten, Turniere und Lerncamps verbinden sportliche Förderung mit sprachlichem und kulturellem Lernen, internationaler Begegnung und historisch-politischer Bildung.

Ausdrückliche Würdigung der Jury findet das viertägige Internationale Holocaust-Gedenkturnier mit 20 U 15-Mannschaften aus neun Nationen im April 2026. Im Vorfeld setzten sich die Nachwuchsteams mit der Geschichte ihrer Vereine und Städte während des Holocaust und Zweiten Weltkriegs auseinander. Beim Turnier präsentierten sie die Ergebnisse ihrer Recherchen und besuchten gemeinsam die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Peter Guttmann, ehemaliger Präsident von Makkabi Deutschland, sagt: „Die Deutsch-Tschechische Fußballschule bringt Kinder aus ganz Europa durch den Fußball zusammen und ermöglicht ihnen, sich über die Geschichte des eigenen Vereins hinaus mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Genau dafür steht der Julius Hirsch Preis. Unabhängig von der Wertschätzung für Initiativen, die sich für Integration einsetzen, ist es wichtig, dass der Name Julius Hirsch mit Leben gefüllt bleibt und der Preis insbesondere die Erinnerung wachhält und das Engagement gegen Antisemitismus würdigt. Die Deutsch-Tschechische Fußballschule erfüllt diesen Anspruch in herausragender Weise. Sie lebt und ermöglicht Erinnerungskultur – und das multinational.“

Über den Julius Hirsch Preis

Mit dem Julius Hirsch Preis erinnert der DFB seit 2005 jährlich an den deutsch-jüdischen Nationalspieler „Juller“ Hirsch (1892 – 1943) und an alle, insbesondere die jüdischen Opfer, des nationalsozialistischen Unrechtsstaates. Der Sohn einer Karlsruher Kaufmannsfamilie trug sieben Mal das DFB-Trikot und nahm an den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm teil. Im Länderspiel gegen Holland 1912 erzielte er beim legendären 5:5 als erster Nationalspieler vier Tore. 1910 gewann er mit dem Karlsruher FV und 1914 mit der Spielvereinigung Fürth die deutsche Meisterschaft. 1943 wurde Julius Hirsch in Auschwitz ermordet. Der Preis würdigt Menschen und Projekte, die sich mutig und wirkungsvoll für Vielfalt, Menschenwürde und ein respektvolles Miteinander sowie gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Die feierliche Verleihung des Julius Hirsch Preises 2026 findet am 23. November in der Weststadthalle in Essen statt.

Von Grünberg aus stand ein Besuch auf dem DFB-Campus in Frankfurt auf dem Plan. Foto: DFB/Nico Florow
Eine zusätzliche Freizeit für Kinder nach onkologischer Erkrankung fand in Malente statt. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Der fußballbegeisterte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf besuchte die Fußball-Ferien-Freizeit in Malente. Foto: Martin Ziemer/Getty Images
Der ehemalige Trainer von RB Leipzig Marco Rose war für einen Wertedialog in Leipzig zu Gast. Foto: Jens Schlüter/Getty Images
Ein Besuch im Bundesverfassungsgericht stand bei der Freizeit in Schöneck (Karlsruhe) auf dem Programm. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
U19-Nationaltrainer Hanno Balitsch leitete eine Trainingseinheit in Edenkoben. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
FIFA-Schiedsrichter Harm Osmers gab in Malente Einblicke in das Leben eines Profi-Schiedsrichters. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Neben verschiedenen Ausflügen und Bildungsaktivitäten stand natürlich der Fußball im Mittelpunkt der Freizeiten. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
Von Hennef aus ging es für eine Führung nach Leverkusen in die BayArena – inklusive Gespräch mit dem Geschäftsführer Simon Rolfes. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Insgesamt 1.000 Teilnehmende waren bei den Fußball-Ferien-Freizeiten 2025 dabei. Foto: Klaus Venus/DFB-Stiftung Egidius Braun
Verschiedene Workshops zum Thema Demokratie standen auf dem Programm der Freizeitwochen. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier tauschte sich in einem Wertedialog mit den Teilnehmenden einer Freizeit in Grünberg aus. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
DFB-Präsident Bernd Neuendorf besucht die Fußball-Ferien-Freizeiten in Hennef. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
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