

Das Ehrenamt ist wichtig. Es ist das Fundament des Amateurfußballs in Deutschland. Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler sind selten allein, weil sie sich fast immer gemeinsam einsetzen. Aber was passiert, wenn sie ihr Ehrenamt aufgeben müssen? Aus zeitlichen oder aus gesundheitlichen Gründen? „Dann fallen viele in ein Loch, weil ihnen plötzlich die Gemeinschaft fehlt, die ihnen vorher so viel gegeben hat“, sagt Detlef Carus, 1. Vorsitzender der „VAR/Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin“.
Verein besteht seit 100 Jahren
Das Engagement des Vereins, der im vergangenen Monat sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat, setzt genau an diesem Punkt an. Die „VAR/Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin“ hat derzeit ungefähr 540 Mitglieder. Die meisten von ihnen sind ehemalige Funktionsträgerinnen und Funktionsträger aus ganz verschiedenen Berliner Vereinen, die sich nach ihrer Aktivität in ihrem Klub „in eine gewisse Einsamkeit verabschiedet haben“, wie es Carus formuliert. Oder anders ausgedrückt: Hier kommen ehemalige Ehrenamtliche zusammen und sind nicht mehr allein.
„Wir sind nah am Menschen, das ist uns sehr wichtig“, sagt Carus. „Bei uns ist jede und jeder willkommen, das Ehrenamt lebt hier weiter.“ In der „VAR/Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin“ treffen sich ehemalige Ehrenamtliche regelmäßig wieder und werden so nicht vergessen. Dies geschieht zum Beispiel in Form von Skatturnieren, Weihnachtsfeiern, Dampferfahrten und Neujahrsempfängen. Weitere Veranstaltungen werden über das Jahr verteilt ausgerichtet. Und genau für dieses Engagement bekommt die „VAR/Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin“ nun den Sepp-Herberger-Award in der Kategorie Sozialwerk verliehen.
Weihnachtstelleraktion findet großen Anklang
Besonderen Anklang findet in jedem Jahr die Weihnachtstelleraktion, die Carus mit seinen Vorstands-Kolleginnen und -Kollegen durchführt. Die Initiative sieht so aus: Innerhalb von einer Woche werden 50 bis 60 erkrankte oder körperlich beeinträchtigte Mitglieder zu Hause oder in einem Pflegeheim besucht. In diesem Rahmen wird ihnen ein persönlich gestalteter Weihnachtsteller überreicht. Außerdem bleibt immer auch noch etwas Zeit für ein nettes Gespräch. „Wenn wir vorbeikommen, ist die Freude immer riesig“, sagt Carus. „Das liegt selbstverständlich weniger an dem Weihnachtsteller, den wir dabeihaben. Viel wichtiger sind die Geste und die Zeit, die wir den Menschen schenken.“
Ende Februar hat der Verein seinen 100. Geburtstag gefeiert. Die Gründung erfolgte am 26. Februar 1926, damals noch unter dem Namen „Vereinigung Alter Rasensportler“. Daher kommt auch das „VAR“ im heutigen Vereinsnamen. In der Festschrift, die anlässlich dieses besonderen Tages erschienen ist, finden sie viele wertschätzende Worte über das Engagement des Vereins.
Bernd Neuendorf: „Werte leben und weitergeben“
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagt: „Ihr Verein ist ein echtes Berliner Original: verwurzelt im Sport getragen von Gemeinschaftssinn und von einer großen Solidarität für andere. Besonders beeindruckend ist Ihr Engagement gegen Einsamkeit: Sie besuchen Mitglieder, die nicht mehr am Vereinsleben teilnehmen können, und verbringen gemeinsam Zeit.
Das ist gelebte Mitmenschlichkeit – und ein schönes Beispiel dafür, wie Sport Menschen auch jenseits von Wettkampf, Training und Zuschauertribüne verbindet.“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf betont: „Wir wissen es sehr zu schätzen, dass Sie Ihren rund 500 Mitgliedern Gemeinschaft bieten. Hier kann der Fußball mit gutem Beispiel vorangehen und für Zusammenhalt sorgen. Und dafür, dass seine Werte gelebt und weitergereicht werden. Bitte machen Sie weiter so.“

Bernd Schultz: „Erfahrungen teilen und Geschichten bewahren“
Und Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, ergänzt: „Seit ihrer Gründung ist die VAR ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Fußball weit mehr ist als Tore und Punkte – er ist Erinnerung, Identität und Zusammenhalt. Die Traditionsgemeinschaft ist ein Ort, an dem langjährige Weggefährtinnen und Weggefährten zusammenkommen, um Erfahrungen zu teilen, Geschichten zu bewahren und die Werte des Sports weiterzugeben. Gerade in einer Zeit, in der sich der Fußball stetig verändert und wichtige Schritte in eine moderne und professionelle Struktur geht, ist es gleichzeitig von besonderer Bedeutung, dass es auch Institutionen wie die Ihre gibt, die das Erbe des Berliner Fußballs wachhalten. Sie schaffen Verbindungen zwischen Generationen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart – und damit auch eine Brücke in die Zukunft.“
Seit inzwischen 100 Jahren verbindet die „VAR/Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin“ nun also schon Generationen, Vergangenheit und Gegenwart. Auch das älteste Mitglied hat sich die Feierlichkeiten nicht entgehen lassen und war persönlich vor Ort: Luise Pfannenschmidt war früher lange ehrenamtlich beim FC Viktoria 1889 Berlin tätig. Heute geht das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Deshalb ist sie froh über die Gemeinschaft im Verein. Pfannenschmidt ist vor wenigen Tagen 103 Jahre alt geworden.
Der mit 12.500 Euro dotierte „Horst-Eckel-Preis“ in der Kategorie Sozialwerk geht an die „VAR/Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin“.

Über die Sepp-Herberger-Awards
Am 16. März werden die Sepp-Herberger-Awards in der Autostadt in Wolfsburg verliehen (ab 20:15 Uhr live auf #dabeiTV bei MagentaTV). Elf Preisträgerinnen und Preisträger erhalten Auszeichnungen in den Kategorien Handicap-Fußball, Resozialisierung, Schule und Verein, Fußball-Stiftung sowie Sozialwerk. Im Rahmen einer Feierstunde mit prominenten Gästen werden Geldpreise im Wert von insgesamt 100.000 Euro vergeben. Die Sepp-Herberger-Awards werden von Volkswagen und der Deutschen Telekom unterstützt.
Schalten Sie am 16. März um 20:15 Uhr ein. Dabeisein lohnt sich.
Hier geht es zum Livestream auf dem DFB-YouTube-Kanal.
Weitere Informationen zur Veranstaltung und den Preisträgern aus den weiteren Kategorien finden Sie hier.