19.6.2026

Wenn Engagement zum gewinnbringenden Seitenwechsel wird

Eine 30-köpfige Gruppe ehrenamtlich engagierter Menschen verbrachte auf Einladung der DFB-Stiftungen Egidius Braun und Sepp Herberger sowie der Stiftung der Nationalmannschaft im Vorfeld des 83. DFB-Pokalfinales einige Tage in Berlin. Dort erlebten die Teilnehmenden im Rahmen der bundesweiten Mitmachaktion „Der Ehrentag“ ein abwechslungsreiches Programm – mit dabei war auch Roman Ibrahim aus Regensburg.

Die Geschichte seiner Familie und damit auch seine eigene ist für Roman Ibrahim kein leichter Rucksack. „Wir haben leider nicht nur friedliche Zeiten erlebt“, sagt der 29-Jährige. Binnen eines Jahrzehnts war er mit den Auswirkungen gleich zweier Kriege konfrontiert, denn seine Wurzeln liegen im vom Bürgerkrieg gebeutelten Syrien und der von der andauernden russischen Aggression betroffenen Ukraine. Ibrahim weiß, wie es ist, die Heimat zu verlassen, um sein Leben zu bewahren. Er weiß, wie es ist, in einem Geflüchtetenheim zu leben und er weiß, wie es ist, in einem fremden Land bei null anzufangen. „Das hat meine Sinne geschärft und gibt mir nun die Möglichkeit, Menschen, denen Ähnliches widerfährt zu unterstützen“, erklärt der junge Mann, der sich seit Oktober 2023 in Regensburg einem Studium in International Relations and Management widmet.

Seine Geschichte, seine Erfahrungen und Sprachkenntnisse in Arabisch, Ukrainisch, Russisch und Kurdisch hat er nicht nur zur Basis einer Dolmetschertätigkeit genutzt, sondern auch zu einem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement insbesondere für Menschen, die in Deutschland Schutz suchen. Dank seines Einsatzes gehörte er zu einer 30-köpfigen Gruppe ehrenamtlich engagierter Menschen, die zum Event „Ehrendank ans Ehrenamt“ auf Einladung der DFB-Stiftungen Egidius Braun und Sepp Herberger sowie der Stiftung der Nationalmannschaft gehörte. „Mir hatte ein Freund, der mal in Berlin bei einem anderen dabei war, von dem Programm erzählt und nur Gutes berichtet. Daher habe ich mich beworben“, schaut er zurück.

(Foto: Gerald Matzka/picture-alliance/DFB)

Harry Kane und Deniz Undav aus nächster Nähe gesehen

Diesen Entschluss hat er nicht bereut. Ganz im Gegenteil. „Ich habe so viele tolle Leute kennengelernt und ich hatte immer wieder Gänsehaut, wenn die anderen Teilnehmenden von ihrem Ehrenamt berichtet haben“, sagt er. Der Workshop über Resilienz, also etwa den Umgang mit Leistungsdruck, habe ihn fasziniert, betont er. Das Treffen mit Rudi Völler, dem Fußball-Weltmeister von 1990 und heutigen DFB-Sportdirektor, hat ebenfalls bleibenden Eindruck hinterlassen. Und dann beim Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart (3:0) Stars wie Harry Kane, Michael Olise oder Deniz Undav aus nächster Nähe zu sehen, sei die Krönung gewesen. „Das alles wird mir noch lange in Erinnerung bleiben und sicherlich werde ich auch den Kontakt zu den anderen Teilnehmenden beibehalten“, ist der junge Mann überzeugt.

Für die Tage in Berlin sei er dankbar, stellt er klar. Dieses Gefühl empfindet er auch, wenn er an seinen bisherigen Lebensweg denkt. „Ich bin meinen Eltern dankbar, die ihr Leben aufgegeben haben, um mir eine gute Zukunft und Sicherheit zu bieten und ich bin dankbar hier sein zu dürfen. Was Deutschland geleistet hat, ist keine Selbstverständlichkeit“, erklärt Ibrahim. Damit hat er auch schon den wesentlichen Antrieb für seinen ehrenamtlichen Einsatz benannt. Dem 29-Jährigen geht es darum, etwas zurückzugeben, indem er anderen Menschen mit vergleichbarem Schicksal und Weg hilft.

Wurzeln in Syrien und der Ukraine

Dieser Weg begann vor rund elf Jahren, als Ibrahim mit seinen Eltern aus Syrien nach Deutschland floh, wo der Bruder bereits als Student zu Hause war. Die Familie fand schließlich nach Münster „und ich habe mich direkt in diese Stadt verliebt“, schaut er zurück. Nach Lebensstationen in St. Petersburg, in den kurdisch dominierten Gebieten im Nordosten Syriens, wo die Familie des Vaters ihre Wurzeln hat, und immer wieder längeren Aufenthalten bei der Oma in der Ukraine war nun also die nordrhein-westfälische Stadt zur Heimat geworden. Schon wenige Monate später reifte der Wunsch, etwas zurückzugeben und anzupacken. „Uns hatten so viele Leute selbstlos geholfen, da wollte ich auch etwas tun“, sagt er. Mitte 2015 begann Ibrahim ein Praktikum beim gemeinnützigen Verein AFAQ. Er vollzog einen gewinnbringenden Seitenwechsel. Nun war er es, der anderen half, im neuen Land zurechtzukommen und sich mit der deutschen Bürokratie und Sprache auseinanderzusetzen und er packte an, um kulturelle Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

In Lübeck Geflüchteten bei der Suche nach einer Bleibe geholfen

Auch nach Beginn eines ersten Studiums in Lübeck brachte er sich ehrenamtlich ein. In Zusammenarbeit mit dem Verein „ePunkt“ vermittelte er mit einer Gruppe von Studierenden private Unterkünfte für Menschen, die angesichts der russischen Vollinvasion aus der Ukraine geflohen waren. „Mit der ‚Ukraine-Couch‘ haben wir über 500 Leute in 400 Zimmer vermittelt“, erklärt er. Dabei hätten sich die dank der ukrainischen Mutter vorhandenen Sprachkenntnisse ausgezahlt, sagt er. In Regensburg, wo er heute lebt, engagierte er sich zeitweilig als Vorsitzender des Vereins IRM Network, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Studierende und Alumni zu vernetzen und Brücken zwischen Menschen zu bauen. „Im Moment fehlt mir ein wenig die Zeit, weil mein Studium in die Endphase geht“, erklärt er, dennoch schaffe er es, auf privater Basis insbesondere ukrainische und syrische Familien beim Gang zu Ärzten oder Behörden zu begleiten.

Ihm geht es um Hilfe und um gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn Ibrahim versteht sich als Teamplayer. Diese Einstellung, sagt er, hat er beim Sport erworben. Lange Jahre hat er Basketball gespielt und Angebote in dieser Sportart beim Unisport in Lübeck koordiniert. „Basketball hat immer eine Rolle in meinem Leben gespielt. Vor allem aufgrund des sozialen Aspekts. Dort habe ich meine tollsten Erlebnisse gehabt und beste Freunde gefunden“, so Ibrahim. Der Sport hat ihn zum Netzwerker gemacht und sein Lebensweg hat ihm Empathie vermittelt. Daraus ehrenamtliches Engagement zu schmieden, hat sich als gute Idee erwiesen.

Von Grünberg aus stand ein Besuch auf dem DFB-Campus in Frankfurt auf dem Plan. Foto: DFB/Nico Florow
Eine zusätzliche Freizeit für Kinder nach onkologischer Erkrankung fand in Malente statt. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Der fußballbegeisterte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf besuchte die Fußball-Ferien-Freizeit in Malente. Foto: Martin Ziemer/Getty Images
Der ehemalige Trainer von RB Leipzig Marco Rose war für einen Wertedialog in Leipzig zu Gast. Foto: Jens Schlüter/Getty Images
Ein Besuch im Bundesverfassungsgericht stand bei der Freizeit in Schöneck (Karlsruhe) auf dem Programm. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
U19-Nationaltrainer Hanno Balitsch leitete eine Trainingseinheit in Edenkoben. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
FIFA-Schiedsrichter Harm Osmers gab in Malente Einblicke in das Leben eines Profi-Schiedsrichters. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Neben verschiedenen Ausflügen und Bildungsaktivitäten stand natürlich der Fußball im Mittelpunkt der Freizeiten. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
Von Hennef aus ging es für eine Führung nach Leverkusen in die BayArena – inklusive Gespräch mit dem Geschäftsführer Simon Rolfes. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Insgesamt 1.000 Teilnehmende waren bei den Fußball-Ferien-Freizeiten 2025 dabei. Foto: Klaus Venus/DFB-Stiftung Egidius Braun
Verschiedene Workshops zum Thema Demokratie standen auf dem Programm der Freizeitwochen. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier tauschte sich in einem Wertedialog mit den Teilnehmenden einer Freizeit in Grünberg aus. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
DFB-Präsident Bernd Neuendorf besucht die Fußball-Ferien-Freizeiten in Hennef. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
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