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Robert Hoffmann, Schiedsrichter des vorderpfälzischen FV Freinsheim, ist seit einem schweren Verkehrsunfall auf eine Beinprothese angewiesen. Das hat ihn nicht von einer Fortsetzung seiner Laufbahn als Unparteiischer abgehalten.
Es gibt Sätze, die trotz aller Schlichtheit das Zeug haben, Menschen tief zu beeindrucken. Robert Hoffmann braucht dazu gerade einmal drei Worte. „Ich hatte Glück“, sagt er über den Moment vor mehr als drei Jahrzehnten, als sich sein Leben entscheidend änderte. Dabei war jener 30. Juni im Jahr 1995 für ihn kein Glückstag. Im Gegenteil. Es war 6:40 Uhr morgens, Hoffmann fuhr gerade zur Arbeit, als ein Lkw-Fahrer ein Stoppschild übersah. Der Laster erfasste Hoffmanns Mofa. Der damals 19-Jährige stürzte und wurde schwer verletzt. „Mein linker Fuß wurde gequetscht“, erklärt er. Es folgten Operationen und schließlich die Amputation des Unterschenkels. Hoffmanns Leben war auf den Kopf gestellt, die verheißungsvolle Schiedsrichterkarriere jäh gestoppt. Und doch sagt Hoffmann, er habe Glück gehabt.

„Der Unfall hätte viel schlimmer enden können“, erklärt er seine Sicht der Dinge. Eine Perspektive, die ihm Kraft gegeben und vor allem viele andere Menschen beeindruckt hat – so auch den dreimaligen Weltschiedsrichter Dr. Markus Merk. „Robert Hoffmann ist ein Vorbild und ein Gewinn für das Schiedsrichterwesen“, erklärte Merk, als er diesem auf dem DFB-Campus in Frankfurt den von der Dr. Markus und Sabine Merk-Stiftung ausgelobten und mit Unterstützung des DFB und der DFB-Stiftung Sepp Herberger vergebenen Ehrenpreis „Der beMERKenswerte Weg“ überreichte.
Unterhaltung in der Schiedsrichterkabine hinterließ Eindruck
Inzwischen kennt Merk viele Details der langen Schiedsrichter-Laufbahn, die Hoffmann trotz des Unfalls absolviert hat, und er weiß auch einiges über das weitere Engagement des Pfälzers im Fußball. Der Auslöser war jedoch der besagte Satz, die drei Worte, mit denen Hoffmann nach einem gemeinsamen Schiedsrichtereinsatz bei einem Benefizspiel seine Schilderungen begann, um zu erklären, warum er eine Prothese trägt. „Ich habe ihm damals gesagt, dass ich Glück gehabt habe, ehe ich vom Unfall erzählt habe. Das hat ihm wohl imponiert und das hat er offenbar nicht vergessen“, so Hoffmann über das Gespräch in der Schiri-Kabine vor rund zwei Jahren.
Der 50-Jährige will seine Vorbildfunktion gar nicht so hoch hängen. „Die Dinge positiv anzugehen und nach vorne zu schauen, ist sicherlich ein Glück, aber einfach meine Art“, betont er. Er sei auch nach dem Unfall nicht in ein mentales Loch gefallen. „Ich habe stur nach vorne geschaut und schon im Krankenhaus angefangen, andere Patienten aufzumuntern“, so der im Service für ein US-Unternehmen tätige Sachbearbeiter. Sein unerschütterlich positives Wesen war der eine Teil des Antriebs, um nach dem Unfall weiterzumachen. Der andere seine große Leidenschaft für die Schiedsrichterei.

Langen Weg zum Comeback absolviert
„Als ich auf der Intensivstation wach geworden bin, habe ich als Erstes meinen Schwager gefragt, ob ich mal wieder pfeifen gehen kann“, schaut er zurück. Ganz so schnell wie erhofft ging es nicht. Mehrere Wochen verbrachte Hoffmann im Hospital und es dauerte eine Weile, bis er sich mit der Prothese sicher bewegen konnte. Die ersten Schritte ohne Krücken seien schwierig gewesen, erinnert er sich. Zumal die damalige Prothetik noch wenig Komfort geboten habe. „Karbonfedern gab es damals jedenfalls noch nicht“, sagt Hoffmann mit einem Schmunzeln.
Doch all die Hürden beeindruckten ihn nicht. Er wollte zurück auf den Platz. Und er fand zurück auf den Platz. Denn seine Leidenschaft wies ihm den Weg. Hoffmann, der mit 15 Jahren seine Unparteiischen-Laufbahn begonnen hatte, vor dem Unfall Partien in der Bezirksliga gepfiffen und in der Landesliga assistiert hatte, leitete wieder Spiele. In der Kreisliga, aber er assistierte auch beim Verbandspokal-Match zwischen den FCK-Amateuren und jenen des 1. FSV Mainz 05 im legendären Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. „Ich war zudem mit Moiken Wolk unterwegs“, sagt der Unparteiische des FV Freinsheim. Die Einsätze an der Seite der bundesweit bekannten, langjährigen Frauen-Bundesliga-Schiedsrichterin seien mit die schönsten gewesen, blickt er zurück.

Jeder Einsatz hat seinen Reiz
Doch eigentlich habe jeder Einsatz seinen Reiz. „Mir hat immer der Umgang mit Menschen gefallen. Ich kann gut kommunizieren, das war immer meine Stärke“, sagt der 50-Jährige, der noch immer ab und an den Schiedsrichter-Dress überstreift und Spiele pfeift. Hitzige Situationen habe er so zumeist schnell entschärfen können. „In all den Jahren waren negative Vorkommnisse sehr selten“, erklärt er. Und blöde Sprüche, sagt Hoffmann, habe er trotz seines Handicaps auf dem Platz nie zu hören bekommen – eher Respektbekundungen. „Wenn ich heute in der Fußgängerzone ehemalige Spieler treffe, gibt es ein herzliches Hallo“, macht der Mann klar, der sich nebenbei auch noch für die Frauenabteilung des rund 600 Mitglieder zählenden FV Freinsheim aus dem Südwestdeutschen Fußballverband engagiert und nach wie vor gerne jungen Unparteiischen mit Rat zur Seite steht.
Keine Frage, im vorderpfälzischen Freinsheim, unweit von Ludwigshafen, ist mit Robert Hoffmann ein Mann zu Hause, der zum Vorbild taugt. Trotz aller Bescheidenheit, die ihm den Atem stocken ließ, als er die Laudatio von Dr. Markus Merk vernahm. Da ist es gut, dass die gläserne Trophäe für den Ehrenpreis im heimischen Wohnzimmer einen besonderen Platz erhält. So kann er selbst jederzeit sehen, dass er seine Mitmenschen beeindruckt hat – mit drei Worten, vor allem aber mit seinen Taten.