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12.3.2026

Wie der Fußball Brücken bauen kann

Das Engagement hat den Sepp-Herberger-Award verdient. (Foto: bayer04.de/JVA Ronsdorf)

Es ist inzwischen 46 Jahre her, dass Sepp Herberger einen prägenden Moment erlebte. Was war geschehen? Bei einem Besuch der JVA Bruchsal erkannte der Weltmeistertrainer von 1954 das Potenzial des Fußballs für Menschen in Haft – eine Erkenntnis, die sein soziales Engagement fortan bestimmte. Bis heute zählt die Resozialisierung zu den zentralen Aufgaben der DFB-Stiftung Sepp Herberger.

Fußball als Fenster aus dem Haftalltag

Auch Bayer 04 Leverkusen engagiert sich seit Jahren intensiv für Inhaftierte, vor allem in der JVA Wuppertal-Ronsdorf. Mehrmals im Jahr besuchen Verantwortliche, Trainerinnen und Trainer sowie Spielerinnen und Spieler die Justizvollzugsanstalt, um gemeinsam mit den Insassen zu trainieren und ihnen eine willkommene Abwechslung zum Haftalltag zu bieten. Für dieses besondere Engagement erhält der Klub in diesem Jahr den Sepp-Herberger-Award in der Kategorie Resozialisierung.

Im Rahmen der Initiative „Anstoß für ein neues Leben“ der DFB-Stiftung Sepp Herberger stärkte Bayer 04 im vergangenen Jahr die Verbindung zwischen professionellem Fußball, Resozialisierung und sozialer Integration. So besuchte etwa Bundesliga-Spielerin Vanessa Haim im Sommer die JVA, trainierte mit den Inhaftierten und tauschte sich intensiv mit ihnen aus. Torwart Legende Rüdiger Vollborn, Rekordspieler von Bayer 04, stellte sich in einer Diskussionsrunde ebenfalls den zahlreichen Fragen der Insassinnen und Insassen.

Der Einsatz findet auch Abseits des Rasens statt. (Foto: bayer04.de/JVA Ronsdorf)

Rüdiger Vollborn: „Fußball auch in der JVA ein wichtiges Thema“

„Es war ein sehr spannender Nachmittag. Die Jungs waren interessiert und haben wirklich gute Fragen gestellt“, erzählt Vollborn. „Da wurde deutlich, welche große Rolle der Fußball auch in der JVA spielt. Es hat mir Freude gemacht, ein paar Geschichten aus meiner Karriere zu teilen.“

Auch Vanessa Haim schildert ihre Eindrücke: „Der Weg durch die Gänge war ungewohnt und bedrückend, aber auf dem Platz spielte das keine Rolle mehr. Die Frauen waren offen, motiviert und wissbegierig. Am Ende ging es nur um Fußball und den gemeinsamen Spaß.“

Verantwortung übernehmen – Perspektiven eröffnen

Frank Linde, Projektkoordinator Soziales und verantwortlich für die JVA-Kooperation, betont die gesellschaftliche Bedeutung des Engagements: „Wir als Profiklub sehen unsere Verantwortung und unterstützen die Kolleginnen und Kollegen in der JVA sehr gerne. Fußball hat eine enorme Kraft: Wenn der Ball rollt, sind alle gleich – Sorgen rücken für einen Moment in den Hintergrund.“

Linde sucht regelmäßig das Gespräch mit Inhaftierten. „Es ist berührend zu erleben, wie viel Wertschätzung entsteht, wenn man Menschen Zeit und Aufmerksamkeit schenkt“, sagt er. „Alle haben Fehler gemacht, das ist unbestritten. Aber jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Wer bereit ist, sein Leben zu verändern, sollte diese Möglichkeit auch bekommen.“

Großes Interesse herrscht an der Gesprächsrunde (Foto: bayer04.de/JVA Ronsdorf)

Amateurfußball als Chance für einen Neuanfang

Besonders der Amateurfußball biete, so Linde, wichtige Anknüpfungspunkte für eine gelingende Rückkehr in die Gesellschaft: „In einer Mannschaft entstehen schnell soziale Bindungen. Oft verhindert das den Rückfall ins alte Umfeld. Fußball vermittelt Werte wie Zusammenhalt, Fairness, Konfliktfähigkeit und Teamgeist – alles Fähigkeiten, die im Alltag enorm wichtig sind.“

Das Engagement von Bayer 04 Leverkusen zeigt damit eindrucksvoll, wie der Fußball Brücken bauen kann – selbst dort, wo Mauern unüberwindbar erscheinen. Der Sepp-Herberger-Award würdigt deshalb nicht nur ein erfolgreiches Projekt, sondern setzt ein starkes Zeichen: Resozialisierung gelingt dort, wo Menschen einander mit Respekt, Zeit und echter Wertschätzung begegnen. Der Ball mag rollen – was bleibt, ist die Chance auf einen neuen Anfang.

Neben Bayer 04 Leverkusen werden in der Kategorie Resozialisierung auf Platz zwei die JVA Butzbach (Hessischer Fußball-Verband) und auf Platz drei die SG Oftersheim (Badischer Fußball-Verband) ausgezeichnet 

Eine wertvolle Zusammenarbeit zwischen Bayer 04 Leverkusen und der JVA (Foto: bayer04.de/JVA Ronsdorf)

Über die Sepp-Herberger-Awards

Am 16. März werden die Sepp-Herberger-Awards in der Autostadt in Wolfsburg verliehen (ab 20:15 Uhr live auf #dabeiTV bei MagentaTV). Elf Preisträgerinnen und Preisträger erhalten Auszeichnungen in den Kategorien Handicap-Fußball, Resozialisierung, Schule und Verein, Fußball-Stiftung sowie Sozialwerk. Im Rahmen einer Feierstunde mit prominenten Gästen werden Geldpreise im Wert von insgesamt 100.000 Euro vergeben. Die Sepp-Herberger-Awards werden von Volkswagen und der Deutschen Telekom unterstützt.  

Schalten Sie am 16. März um 20:15 Uhr ein. Dabeisein lohnt sich.

Hier geht es zum Livestream auf dem DFB-YouTube-Kanal. Weitere Informationen zur Veranstaltung und den Preisträgern aus den weiteren Kategorien finden Sie hier.

Von Grünberg aus stand ein Besuch auf dem DFB-Campus in Frankfurt auf dem Plan. Foto: DFB/Nico Florow
Eine zusätzliche Freizeit für Kinder nach onkologischer Erkrankung fand in Malente statt. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
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Insgesamt 1.000 Teilnehmende waren bei den Fußball-Ferien-Freizeiten 2025 dabei. Foto: Klaus Venus/DFB-Stiftung Egidius Braun
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