15.5.2026

„Der Fußball verbindet uns alle“ - Monica Lierhaus und Jens Nowotny besuchen JVA Wuppertal-Ronsdorf

Monica Lierhaus und Jens Nowotny besuchten vergangene Woche die JVA Wuppertal-Ronsdorf. Die TV-Moderatorin und der langjährige A-Nationalspieler engagieren sich im Kuratorium der Sepp-Herberger-Stiftung. Die Stiftung setzt sich seit ihrer Errichtung im Jahr 1977 für Menschen in Haft ein. Lierhaus und Nowotny nutzten den Besuch zum Austausch mit männlichen und weiblichen Jugendstrafgefangenen.

Der Besuch startete in der Sepp-Herberger-Wohngruppe. Dort sind bis zu 14 männliche Jugendliche inhaftiert, die sich durch gute Führung den Platz in der Wohngruppe erarbeitet haben. Fußball spielt im Alltag eine wichtige Rolle. Jede Woche wird trainiert, es gibt Kooperationen mit Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Aktuell steht die Teilnahme am Turnier um den Sepp-Herberger-Pokal in der JVA Neustrelitz im Fokus. Den Landesausscheid in Nordrhein-Westfalen haben die Wuppertaler gewonnen. Zusammen mit der JVA Hövelhof entsenden sie am 13. Juni ein Team nach Mecklenburg-Vorpommern. „Der Fußball verbindet uns hier alle“, sagt ein Inhaftierter, der hier in der JVA seinen Schulabschluss nachgeholt hat. Draußen möchte er den Schweißerschein machen und sich um seine Familie kümmern. „Ich baue keine Scheiße mehr“, sagt er. Seine Frau und die beiden Kinder warten auf ihn. Fußball will er auch außerhalb der JVA weiterspielen.

Bewegende Gespräche mit den inhaftierten Frauen

Nach dem Besuch in der Wohngruppe ging es weiter zum Gespräch mit den jungen Frauen. Jens Nowotny und Monica Lierhaus berichteten aus ihrem Leben vor der Kamera und auf dem Fußballfeld. „Der Blick muss immer positiv vorausgehen“, sagt Nowotny, der während seiner Karriere mehrere verletzungsbedingte Rückschläge hinnehmen musste. Monica Lierhaus, die gemeinsam mit ihrer Schwester Eva eigens aus Hamburg angereist ist, berichtet von ihrer Karriere. „Ich war die erste Frau, die die Sportschau moderieren durfte“, erinnert sie sich stolz. Dann kam die OP an einem Aneurysma. „Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief gehen konnte, lag bei 1:100.000“, erklärt sie und schiebt nach, „der Arzt konnte nichts dafür, es war einfach großes Pech“.

Mit Unterstützung ihrer Familie hat sich Monica Lierhaus auf beeindruckende Weise zurück ins Leben gekämpft, steht auch wieder vor der Kamera. Ihre Geschichte bewegt. Den Zuhörerinnen stehen Tränen in den Augen, die loskullern, als Eva Lierhaus über die Zeit erzählt, als sie am Krankenbett neben ihrer Schwester wachte, die im Koma lag. „Zweimal wurden wir gerufen, um uns von Monica zu verabschieden“, beschreibt sie. „Aber Monica ist eine Kämpferin und ist wieder aufgewacht. Das war unbeschreiblich.“

Ihren Gästen berichten die jungen inhaftierten Frauen aus ihrem Leben. Über die alkoholkranke Mutter, Mobbing in der Schule, über falsche Freunde und die Sehnsucht nach viel Geld und einem besseren Leben. „Ich dachte, wenn ich Drogen verkaufe, geht es mir besser“, sagt eine. Ein gefährlicher Trugschluss.

Ihr Leben wollen sie nach der Inhaftierung selbst in die Hand nehmen. „Nach der Haft will ich selbstbestimmt das tun, was ich will, was mir guttut. Ich will weg von meiner Familie und meinen Freunden und im Verein weiter Fußball spielen“, schildert eine Gefangene ihren Plan für die Zeit danach. Ruhig wird es als eine Inhaftierte davon berichtet, dass sie in zwei, drei Wochen vorzeitig entlassen werden wird. „Ich habe Angst davor. Die JVA ist mein Safe Place. Hier geht es mir gut. Die Beamten kümmern sich um uns, unterstützen uns. Das kannte ich so in meinem Leben zuvor nicht“, sagt sie. Ihr Leben war geprägt von Gewalt und dem kriminellen Vater.  „Als ich sieben, acht Jahre alt war, gab es einen Vorfall, den ich bis heute nicht verarbeitet habe“, erklärt die zweifache Mutter, die ihre Kinder freiwillig zur Adoption abgegeben hat. Sie sollen es besser haben als sie. Der Plan für die Zeit nach der Entlassung steht: „Ich gehe in Therapie, arbeite mein Trauma um und arbeite an meiner Zukunft.“

Die Begegnung in der JVA macht nachdenklich. Der Termin zeigt einmal mehr, dass die Jugendlichen alle ihre eigene Lebensgeschichte haben. Sie sind nicht grundlos hier, sind rechtskräftig verurteilt worden. Alle hoffen, dass die Zeit nach der Haft besser wird als die Zeit zuvor und der Weg nicht zurück hinter Gittern führt.

Monica Lierhaus sagt zum Abschied: „Aufgeben ist keine Option. Glaubt an euch und nutzt euer Leben.“ Die Botschaft ist platziert und gibt Hoffnung.

Von Grünberg aus stand ein Besuch auf dem DFB-Campus in Frankfurt auf dem Plan. Foto: DFB/Nico Florow
Eine zusätzliche Freizeit für Kinder nach onkologischer Erkrankung fand in Malente statt. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Der fußballbegeisterte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf besuchte die Fußball-Ferien-Freizeit in Malente. Foto: Martin Ziemer/Getty Images
Der ehemalige Trainer von RB Leipzig Marco Rose war für einen Wertedialog in Leipzig zu Gast. Foto: Jens Schlüter/Getty Images
Ein Besuch im Bundesverfassungsgericht stand bei der Freizeit in Schöneck (Karlsruhe) auf dem Programm. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
U19-Nationaltrainer Hanno Balitsch leitete eine Trainingseinheit in Edenkoben. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
FIFA-Schiedsrichter Harm Osmers gab in Malente Einblicke in das Leben eines Profi-Schiedsrichters. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun
Neben verschiedenen Ausflügen und Bildungsaktivitäten stand natürlich der Fußball im Mittelpunkt der Freizeiten. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Klaus Venus
Von Hennef aus ging es für eine Führung nach Leverkusen in die BayArena – inklusive Gespräch mit dem Geschäftsführer Simon Rolfes. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Insgesamt 1.000 Teilnehmende waren bei den Fußball-Ferien-Freizeiten 2025 dabei. Foto: Klaus Venus/DFB-Stiftung Egidius Braun
Verschiedene Workshops zum Thema Demokratie standen auf dem Programm der Freizeitwochen. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier tauschte sich in einem Wertedialog mit den Teilnehmenden einer Freizeit in Grünberg aus. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
DFB-Präsident Bernd Neuendorf besucht die Fußball-Ferien-Freizeiten in Hennef. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
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