

Auseinandersetzungen zwischen Fußballanhängern und Sicherheitskräften sind im Spitzenfußball keine Seltenheit. In der DDR stand dieser Konflikt unter den Vorzeichen einer Diktatur. Die Open-Air-Ausstellung „Im Objektiv der Staatsmacht“ zeigt die visuelle und politische Geschichte der Kampfzonen rund um das Fußballfeld und taucht damit auch in die gesellschaftliche und politische Geschichte der ostdeutschen Republik ein. Heute findet der Auftakt der diesjährigen Tournee der Ausstellung in Magdeburg statt.
Trotz der medaillenmäßigen Dominanz anderer Sportarten war der Fußball auch in der DDR Volkssport Nr. 1 und damit zwangsläufig im Fokus der Staatssicherheitsorgane. Nach den Vorstellungen des DDR-Oberen sollte das Verhalten der Zuschauer der sozialistischen Gesellschaftsordnung entsprechen. Wenig überraschend also, dass die in den Fernsehübertragungen beobachtete westdeutsche Fankultur als unerwünscht galt. Umso mehr, wenn sie in die eigenen Stadien überschwappte oder gar Transparente und Sprechchöre zu sehen und zu hören waren, die Staat, Partei oder Sicherheitsorgane „herabwürdigten“. So mussten Fußballanhänger, die sich an den fankulturellen Praktiken des Westens orientierten oder auch nur Sympathie mit Bundesligavereinen zeigten, befürchten, als „negativ-dekadent“ gebrandmarkt, aus der Masse herausgefiltert und strafrechtlich verfolgt zu werden. Hierzu gehörte auch eine erkennungsdienstliche Erfassung mit fotografischer Dokumentation.
Eine beeindruckende Sammlung von großformatigen und bislang unbekannten fotografischen Dokumenten zu diesem Thema hat das Zentrum deutsche Sportgeschichte Berlin-Brandenburg – gefördert von der Bundesstiftung Aufarbeitung und der DFB-Kulturstiftung – in der Ausstellung „Im Objektiv der Staatsmacht“ zusammengetragen. Die 2024 in Leben gerufene Open Air-Ausstellung startet heute auf dem Gelände der Hochschule Magdeburg-Stendal an der Breitscheidstraße 2 zwischen Haus 2 und 3 in ihre diesjährige Tournee durch mehrere deutsche Städte.
Gezeigt wird nicht nur, wie intensiv und mit welchen Mitteln die Fans rund um die Stadien der DDR-Oberliga offen und verdeckt observiert wurden, besonders bei brisanten Derbies und bei Europapokal-Begegnungen gegen westdeutsche Mannschaften. Auch die Bundesliga-Mannschaften selbst – wie etwa der FC Bayern München mit seinen Stars Franz Beckenbauer, Sepp Maier oder Gerd Müller, die 1973 und 1974 gegen Dynamo Dresden und den 1. FC Magdeburg spielten – gerieten ohne ihr Wissen in den Fokus der Stasi.
Was die Ausstellung auch zeigt: So unpolitisch sich der Sport über viele Jahre begriffen hat und noch bis heute oft begreift, so sehr wurde er nicht nur in der DDR, sondern auch anderswo oft genug zum Spielball der jeweils Mächtigen, zum Stellvertreterkrieg für regionale und internationale Konflikte oder zu einem Ort, in dem Minderheiten und Unterdrückte eine öffentliche und mediale Bühne für ihre Anliegen suchen.
www.im-objektiv-der-staatsmacht.de
01. April – 18. Mai 2026 auf dem Gelände der Hochschule Magdeburg-Stendal an der Breitscheidstraße 2 zwischen Haus 2 und 3.
Die Ausstellung ist ganztägig zugänglich. Der Eintritt ist frei.