13.6.2026

Sepp-Herberger-Pokal 2026: Teams aus Wuppertal und Köln gewinnen Resozialisierungsturnier in Neustrelitz

Ein sportliches Zeichen für die zweite Chance: In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern spielten im Rahmen der Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“ 14 Fußballteams heute um den begehrten Sepp-Herberger-Pokal. Bei den Männern sicherte sich die Mannschaft der SG JVA Wuppertal-Ronsdorf/JVA Hövelhof den Turniersieg, während im Frauenturnier das Team der JVA Köln den Titel gewann. Insgesamt nahmen mehr als 150 jugendlichen Strafgefangenen an der Veranstaltung teil.

(Foto: Carsten Kobow)

Das Turnier um den Sepp-Herberger-Pokal ist der alljährliche sportliche Höhepunkt der Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“ der DFB-Stiftung Sepp Herberger. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, den Justizministerien der beteiligten Bundesländer sowie den jeweiligen DFB-Landesverbänden setzt sich Deutschlands älteste Fußballstiftung dafür ein, mit den Jugendlichen eine Perspektive für die Zeit nach der Haft zu erarbeiten. Die Initiative basiert dabei auf drei Säulen: „Fußball“, „Arbeit/Beruf/Schule“ und „Soziales“. Derzeit beteiligen sich bundesweit 21 Justizeinrichtungen aus zehn Bundesländern an dem Programm. Bereits seit ihrer Gründung im März 1977 ist die Sepp-Herberger-Stiftung hinter Gefängnismauern engagiert.

Staatssekretärin Bohlen: „Fußballspielen verbindet die Menschen, egal woher sie kommen“

Am Rande der Siegerehrung in Neustrelitz wurde die Bedeutung der Initiative hervorgehoben. Babette Bohlen, Staatssekretärin im Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, betonte: „Ich begrüße das Engagement der DFB-Stiftung Sepp Herberger im Jugendvollzug sehr. Passend zur gestarteten Weltmeisterschaft sehen wir ganz deutlich: Fußballspielen verbindet die Menschen, egal woher sie kommen, egal wer sie sind. Die jungen Sportlerinnen und Sportler bekommen darüber hinaus dank des Turniers ein Gefühl der Anerkennung. Ein Zeichen dessen ist es, dass sich die DFB-Stiftung Sepp Herberger stets auch Fußball-Prominente wie Nadine Keßler, Jens Nowotny und Ottmar Hitzfeld als Botschafterinnen und Botschafter ins Boot holt, die diese Anerkennung auch verstärken.“

Andreas Wegner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Neubrandenburg, unterstrich die Chancen für die Zeit nach der Haft: „Der Arbeitsmarkt bietet aktuell gute Einstiegsperspektiven, wenn die Motivation stimmt. Die Jugendlichen bringen durch das strukturierte Training im Projekt wichtige soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Disziplin mit. Genau diese Eigenschaften sind der Schlüssel für eine nachhaltige Wiedereingliederung ins Berufsleben.“

(Foto: Carsten Kobow)

Wertevermittlung über das Spielfeld hinaus

Besondere Angebote in der Kategorie „Fußball“ sind die offiziellen Ausbildungen zu Schiedsrichtern oder Trainern. Ziel ist es, auch darüber nach der Entlassung eine unmittelbare Anbindung an die Fußballfamilie zu ermöglichen. Sven Bauer, Vizepräsident des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern, erklärte hierzu: „Es ist großartig zu sehen, mit welcher Leidenschaft die Jugendlichen auf dem Platz stehen. Die Fußballvereine bieten eine hervorragende Plattform, um den Strafgefangenen nach der Entlassung eine neue Heimat, soziale Kontakte und eine feste Struktur zu geben. Der Fußball transportiert Werte, die weit über das Sportliche hinausgehen.“

Tobias Wrzesinski, Geschäftsführer der DFB-Stiftung Sepp Herberger, gratulierte den teilnehmenden Spielerinnen und Spielern und dankte den begleitenden Justizbediensteten sowie dem Team der gastgebenden JVA Neustrelitz um Anstaltsleiterin Andrea Hanke: „Wir haben begeisternde und faire Spiele gesehen. Noch wichtiger als der sportliche Erfolg ist jedoch, dass wir mit den unterschiedlichen Angeboten gemeinsam die Jugendlichen aktiv auf die Zeit nach der Entlassung vorbereiten. Der Fußball vermittelt dabei Werte wie Disziplin, Widerstandsfähigkeit und gegenseitigen Respekt, die für eine gelungene Wiedereingliederung essenziell sind.“

(Foto: Carsten Kobow)

Fairplay-Pokale und Rap-Song weitere Höhepunkte | Turnier 2027 in Niedersachsen

Beim Turnier rollte aber nicht nur der Ball. So war der Musik-Auftritt von Jugendstrafgefangenen der JVA Neustrelitz, die im Rahmen der Anstoß-Initiative einen Rap-Song erarbeitet hatten, ein zusätzlicher Höhepunkt des Programms.

Neben den Siegerteams wurden auch in diesem Jahr die fairsten Mannschaften ausgezeichnet: Der Fairplay-Pokal der Männer ging an den Seehaus e.V., während sich bei den Frauen das Team der JVA Neustrelitz über die Auszeichnung freute.

Im kommenden Jahr findet das Turnier am 5. Juni 2027 in der Jugendanstalt Hameln in Niedersachsen statt.

Übersicht über die teilnehmenden Mannschaften 2026:

Männer-Turnier:

  • JSA Schifferstadt (Rheinland-Pfalz)
  • JSA Berlin (Berlin)
  • SG JVA Wuppertal-Ronsdorf/JVA Hövelhof (Nordrhein-Westfalen)
  • Seehaus e.V. (Sachsen / freier Strafvollzug)
  • JVA Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern)
  • JVA Adelsheim (Baden-Württemberg)
  • SG JVA Vechta / JA Hameln (Niedersachsen)
  • JVA Rockenberg (Hessen)
  • JA Schleswig (Schleswig-Holstein)

Frauen-Turnier:

  • JVA Wuppertal-Ronsdorf (Nordrhein-Westfalen)
  • JVA Köln (Nordrhein-Westfalen)
  • JVA Zweibrücken (Rheinland-Pfalz)
  • JVA Bützow (Mecklenburg-Vorpommern / Erwachsene)
  • JVA Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern / Bediensteten-Mannschaft)
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DFB-Präsident Bernd Neuendorf besucht die Fußball-Ferien-Freizeiten in Hennef. Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun/Carsten Kobow
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