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Die vielleicht älteste und reichweitenstärkste Initiative der Erinnerungskultur im deutschen Sport tourt wieder durch Deutschland: Seit 2015 erinnert die Outdoor-Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ an 17 herausragende Athletinnen und Athleten und ihre Verfolgung in der NS-Zeit. Zum Auftakt der diesjährigen Tournee wurde die kostenlose und öffentlich zugängliche Ausstellung heute auf dem Vorplatz des Kröpeliner Tors in der Rostocker Innenstadt offiziell eröffnet.
Die „vertikalen Stolpersteine“ sind im öffentlichen Stadtbild nicht zu übersehen: 15 lebensgroße, in schwarz-weiß abgebildete Figuren, durch ihre Kleidung und Haltung sofort als Sportlerinnen und Sportler erkennbar. Einmal aufmerksam geworden und näher an die Figuren herangegangen, erkennt man schnell die historischen Persönlichkeiten wie Eishockeyspieler Rudi Ball, Basketballer Ralph Klein, Leichtathletin Gretel Bergmann, Boxer Erich Seelig oder Fußballer Julius Hirsch.

Sie alle sind Sportlerinnen und Sportler jüdischen Glaubens, die in den Jahren bis 1933 und danach ihre Sportarten prägten, herausragende Leistungen erzielten und Titel gewannen. In Nationalmannschaften, bei Welt- oder Europameisterschaften, mit Olympiasiegen und Rekorden zählten sie zu den gefeierten Idolen ihrer Zeit. Nur aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurden sie im NS-Staat ausgegrenzt, entrechtet, zur Flucht gedrängt oder ermordet.
Die 2015 von der DFB-Kulturstiftung gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien erdachte und konzipierte Ausstellung ist seit ihrer ersten Präsentation auf dem Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof auf Deutschlandtournee. Speziell für den Outdoor-Einsatz konzipiert, holt sie Menschen dort ab, wo sie sowieso vorbeikommen: auf großen öffentlichen Plätzen, in Einkaufsstraßen, vor Bahnhöfen oder auch vor kulturellen Institutionen. Und das mit nachhaltigem Erfolg. Auf mehr als 50 Stationen haben (konservativ geschätzt) zwischen einer halben bis einer Millionen Besucherinnen und Besucher die Ausstellung besucht. Dennoch schafft die aktuelle Station in Rostock ein Novum: Als erster Standort in Mecklenburg-Vorpommern ist die Präsenz der „vertikalen Stolpersteine“ in allen 16 Bundesländern komplettiert.

Erinnern, gedenken, lernen – unter diesem Motto finden auch in Rostock zahlreiche Veranstaltungen im Begleitprogramm statt. Durchgeführt und gefördert werden sie von einem breiten Bündnis von lokalen und regionalen Institutionen aus Kultur, Politik, Sport und Zivilgesellschaft, wie dem Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern, dem Beauftragten des Landes für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, der Landeszentrale für politische Bildung sowie der Konrad-Adenauer-, der Heinrich-Böll- und der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Die ausführlichen Biografien der Sportlerinnen und Sportler sind über QR-Codes mit den Ausstellungsfiguren verbunden und auf dieser Webpage zu finden. Die jüdische Sportgeschichte kann noch bis zum 28. Mai hautnah und kostenlos auf dem Vorplatz des Kröpeliner Tors in Rostock erlebt werden. Anschließend tourt sie weiter nach Duisburg und Siegen. Die Ausstellung ist ein Projekt des Zentrums deutsche Sportgeschichte e. V. mit wechselnden Partnern, gefördert durch die DFB-Kulturstiftung, den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt.